Defender Jungfernfahrt – Teil 3

Am späten Nachmittag überquere ich die nächste Landesgrenze auf dieser Reise. Das Schild am rechten Fahrbahnrand ist mehr als nur ein Hinweis, es ist das Tor in eine der wenigen Regionen in Europa, die vom Massentourismus noch ein Stück weit verschont geblieben sind.

Blick auf die Strasse in Italien mit dem Grenzschild für Slowenien.

Insbesondere der nordwestliche Teil Sloweniens mit dem Soča-Tal und dem Triglav-Nationalpark, ist weit entfernt von Hotelburgen und manchmal sogar fast wie eine kleiner Rückblick in die Vergangenheit. Dazu aber später mehr…

Ein Campingplatz wie ein Streichelzoo

Da die Sonne bereits im Rückspiegel hinter den Bergen verschwindet und ich nach der langen Fahrt keine Lust mehr habe einen Stellplatz zu suchen, fahre ich einen Campingplatz direkt am Fluss an. Die Zufahrt erfolgt über eine sehr schmale Brücke, sodass ich sie um ein Haar verpasst hätte. Der Campingplatz „Kamp Vili Volarje“ dürfte vor allem Freunden des alternativen Lebensstils gut gefallen und wer Katzen und Hunde liebt, der ist hier genau richtig, denn die streunern hier den ganzen Tag über den Platz. Spätestens als ich meine Cevapcici auf den Gaskocher lege, habe ich einen dieser großen, aber sehr freundlichen Hunde und zwei neugierige Katzen als Nachbarn. 

Die Tolmin Klamm

Am nächsten Vormittag, wenige Kilometer entfernt von dem Campingplatz, winkt mich ein Parkeinweiser wild gestikulierend in eine ziemlich enge Parklücke für einen Defender. Ich bin heilfroh als mein Landy endlich steht und ich von anderen Besuchern auch noch das Parkticket übernehmen konnte, denn 7 Euro für den Parkplatz an der „Tolmin Klamm“ ist dann doch ein strammer Preis. Da ich aber zumeist keine Campingplätze nutze und selber koche und somit nicht all zu viel Einnahmen für die Einheimischen einbringe, finde ich das auch in Ordnung.

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Die Klamm selber kostet nochmal 6 Euro Eintritt pro Person, dafür gibt es einen Lageplan, zahlreiche Brücken und leider auch einen abgesperrten Bereich, da hier scheinbar vor Kurzem ein Stück vom Weg bzw. eine Unterführung eingestürzt ist. 

Zahlreiche Hängebrücken führen über den Fluss

Das Beeindruckende an dieser Schlucht ist die unglaublich blaue Farbe und Klarheit des Soča-Flusses. Das Wasser ist eiskalt und hat eine starke Strömung, davon lässt sich die Soča-Forelle, die auch als Delikatesse in dieser Region gilt, wenig beeindrucken. Mit schlängelnden Bewegungen trotzt sie dem Wasserlauf und scheint dabei auf der Stelle zu stehen.

Die gemütliche Wanderung durch die Klamm dauert etwa 45 Minuten. Der Weg ist nicht besonders anspruchsvoll und kann von jedem mit vernünftigem Schuhwerk begangen werden. Auf keinen Fall darf die Kamera vergessen werden, die Fotomotive in dieser Schlucht sind schier unendlich. 

Im Hintergrund die spektakuläre Teufelsbrücke

Idylle am Lago di Predil

Als Schlafplatz für heute Abend habe ich den Lago di Predil ausgewählt, ein mir bisher unbekannter Stausee an der Grenze von Italien und Slowenien, allerdings noch auf der italienischen Seite. Die Abfahrt zum Parkplatz, auf dem auch einige andere kleine Camper stehen, ist etwas abenteuerlich. Die tiefen, ausgefahrenen und ausgewaschenen Spurrillen schaukeln den Landy mächtig durch und eines der Attraktionen dieses Stellplatzes ist es, andere Reisenden beim Kampf mit der Aus- bzw. Einfahrt zu beobachten. Die Sprinter setzen an der Kuppe auf, den Fronttrieblern drehen die Reifen durch… – raus kommen sie aber irgendwie doch alle. 

Die Wasseroberfläche des Lago di Predil ist ganz ruhig, nur selten kommt Wind auf und versetzt das Wasser in leichte Bewegung. 

Ein kleines Häuschen steht nah am Ufer im Wasser und zerfällt Stück für Stück. Eigentlich schade denke ich mir, das wäre doch ein tolles kleines Micro-Haus. Umgeben von Wasser und einer kleinen Zugbrücke, würde es sich hier sicher gut aushalten lassen.

Rund um den See gibt es bei genauerem Hinsehen zahlreiche Bunkeranlagen. Auch der Pass und die Grenze zwischen Italien und Slowenien sind von massiven Befestigungen am Straßenrand geprägt.

Ich spüle am Ufer des Sees in der faltbaren Spülschüssel* mein Geschirr und genieße die Einfachheit des Lebens, die Ruhe und die Natur.

Dabei merke ich wieder einmal, dass mir absolut nichts fehlt – die wenigen Gegenstände in meinem Defender sind alles was ich benötige.

Flussaufwärts im Soča-Tal

Am nächsten Tag fahre ich das Soča-Tal entlang und zahlreiche Haltebuchten laden dazu ein, stehen zu bleiben und ein Stück vom leuchtend blauen Fluss zu bestaunen. 

Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Hängebrücken gesehen. Jede von ihnen hat individuelle Schwachstellen-von fehlenden Brettern bis hin zu marode aussehenden Seilen ist alles dabei. Das passt aber perfekt hierher und vermittelt ein ganz besonderes Flair. 

Als ich seitlich in einen Feldweg abbiege, finde ich eine weitere Hängebrücke, die sogar für Fahrzeuge ist. Beim vorsichtigen Begehen der Brücke knarzt und schwankt es so stark, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass hier 3 Tonnen drüber fahren können. Der Weg führt allerdings nur zu einem privaten Bauernhof und deshalb komme ich gar nicht erst in Versuchung mein Glück auf die Probe zu stellen.

Generell ist das Tal sehr eng und die meisten Seitenstraßen führen lediglich zu privaten Höfen. Die Stellplatzsuche gestaltet sich schwieriger als gedacht und da ich sowieso dringend Wäsche waschen muss, fällt die Wahl heute dann doch erneut auf einen Campingplatz. 

Eine kleine Wanderung am Soča Fluss

Am nächsten Morgen mache ich mich zu Fuß mit Rucksack und Proviant auf den Weg flussaufwärts.

Die Wanderung bietet immer wieder eindrucksvolle Naturschauspiele, welche vor Allem durch das blau schimmernde Wasser und die starke Strömung entstehen.

 Nach einiger Zeit weicht das schöne blaue Wasser aber einer unschönen braunen Farbe und wenige 100 Meter weiter entdecke ich eine Baustelle, die jede Menge Flussbett aufwirbelt. Jetzt sieht der Soča plötzlich aus wie jeder andere Fluss und hat seinen Zauber verloren.

Ich wähle einen anderen Rückweg abseits des Flusses und komme an einigen älteren Häusern vorbei. Die massiven Steinhäuser sind sehr einfach gehalten. Zu jedem Haus gehört ein großes Brennholzlager und ein gepflegter Garten. Eine ältere Dame mit Kopftuch kommt aus einem dieser Häuser, sie trägt eine Schürze und darunter ein Kleid mit Unterrock. In der rechten Hand hält sie eine Milchkanne. So hat das Leben vor einigen Jahrzehnten bei uns auch noch ausgesehen, so haben meine Groß- und Urgroßeltern gelebt, denke ich mir. Viele würden die Frau vermutlich als arm bezeichnen, denn das Bild passt nicht mehr in unsere heutige Gesellschaft. Aber ist das wirklich Armut oder einfach eine andere Art sein Leben zu gestalten? 

Über diese Frage denke ich nach der Wanderung noch eine ganze Weile nach, während ich in der Hängematte* liege und den rauschenden Fluss beobachte. 

Die Reise geht weiter Richtung Süden

Gerne würde ich noch weiter in den Triglav hineinfahren, aber ich muss bereits übermorgen in Kroatien sein. Ich fahre von Nord nach Süd durch Slowenien. Die Landschaft wird flacher und besonders in der Mitte des Landes, rund um Ljubljana, gibt es auch sehr viele Industriegebiete. Ich fahre, wenn immer möglich, über Landstraßen. Zum einen spart das etwas Maut und zum anderen sehe ich dadurch deutlich mehr vom Land. 

Beim Beschleunigen am Ende eines kleinen Ortes zischt es dann plötzlich. Das Geräusch klingt wie Druck, der leicht pfeifend entweicht und dazu kommt ein leichter Leistungsabfall beim Beschleunigen. Mein erster Gedanke dabei  geht gleich zum Turbolader und dann werde ich auch direkt nervös. Das könnte das Ende der Reise bedeuten. Der Turbo sitzt allerdings in Fahrtrichtung rechts, das Geräusch kommt aber eher aus der vorderen linken Ecke des Motorraums. 

Fehlersuche am Geländewagen

Nach dem Öffnen der Haube, entdecke ich einen kleinen Riss im Schlauch vom Ladeluftkühler zum Motor. Der Riss könnte tatsächlich zur Geräuschquelle passen. Am Turbo auf der anderen Seite kann ich auf den ersten Blick nichts erkennen. Mit Panzertape versuche ich den Riss notdürftig zu überkleben. Der ist aber an einer schwer zu erreichenden und ungünstigen Stelle. 

Nach dem Auffahren auf die Schnellstraße zischt es dann erneut und das Geräusch ist wieder da. Vermutlich hat sich das Klebeband unter dem Druck gelöst. 

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In Rijeka, meinem ersten Ziel in Kroatien, ist eine Ford Werkstatt, die einen deutschsprachigen Chef hat. Bis dahin ist es noch ein Stück, aber wenn ich vorsichtig fahre, sollte es hoffentlich gehen. Mit 60 -70 km/h auf der Schnellstraße mache ich mir zwar keine Freunde bei den LKW-Fahrern, aber da muss ich jetzt durch. 

Als ich in Rijeka ankomme, ist die Werkstatt bereits zu und ich verbringe die Nacht auf einem nahegelegenen Campingplatz.  Am nächsten Morgen stehe ich früh vor dem Rollltor und ein Mechaniker nimmt sich dem Problem an.

Es stellt sich heraus, dass ich das Problem tatsächlich richtig lokalisiert habe, aber ich hätte es ohne einen extrem langen Schraubenzieher und einem zweiten Stück Schlauch nicht selber flicken können. Die schnelle Notlösung der Werkstatt hält übrigens bis zum Ende der Reise und auch noch darüber hinaus. Günstig war es zwar nicht, eine Wahl hatte ich allerdings auch nicht. 

Ich bekomme Besuch

Jetzt steht dem Grund, für den ich nach Rijeka gefahren bin, wenigstens nichts mehr im Wege. Philipp hat vor einigen Tagen seine Bachelorarbeit abgegeben und landet in ein paar Stunden auf der Insel Krk. Ich freue mich sehr, dass Philipp, der so viel mit am Land Rover gearbeitet hat, ein Teil der ersten Reise mit Defender „Sir Henry“ sein wird. 

Sein Flieger hat eine leichte Verspätung, aber dann kann er endlich im Landy Platz nehmen. Er stellt fest, dass ich ziemlich braun geworden bin und dann fahren wir auch schon zu einem alten Steinbruch am Meer.

Defender „Sir Henry“ und das Meer

Im Hintergrund ist die Brücke vom Festland auf die Insel Krk und vor uns das Meer.

Wir verbringen den ganzen Tag am Wasser und haben uns viel zu erzählen, er von seiner Bachelorarbeit und ich von der bisherigen Reise. 

Kaffee mit traumhafter Aussicht

Eigenartige Geräusche in der Nacht

In der Nacht raschelt es auf einmal hinter dem Defender ziemlich laut und aus dem Schlaf gerissen, fragen wir uns, was das für ein merkwürdiges Geräusch ist. Bevor ich meine Brille gefunden habe, ist Philipp bereits draußen und kämpft mit einem Fuchs um unseren Müllbeutel, der an der Anhängerkupplung befestigt war. Der Fuchs zieht auf der einen Seite und Philipp auf der anderen. Nach kurzer Zeit lässt der Fuchs los und verschwindet in der Dunkelheit. Den Müll stellen wir ab jetzt lieber in den Fußraum des Beifahrers und dann müssen wir beide herzhaft über diese Situation lachen. 

Der aktive Teil der Reise liegt hinter mir und am Meer werden wir einfach entspannen, die Sonne, das Wasser und die Ruhe genießen. Nach der stressigen Zeit kann Philipp das auch sehr gut gebrauchen. 

Mehr zum Innenausbau des Land Rover Defender!

Einsame Bucht und tierisches Highlight auf dieser Reise

Der zweite Stellplatz auf Krk ist dann sogar noch schöner. Eine schmale Schotterpiste führt hinunter zu einer kleinen Bucht. Hier sind wir ganz alleine und das nur 3 Meter vom Meer entfernt. 

Das es möglich ist mit dem Defender an derartigen Orten zu stehen, ist einfach unbeschreiblich und ich bekomme das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. Es ist ein schönes Gefühl, wenn eine Entscheidung, die man vor 1,5 Jahren getroffen hat (Defender Kauf), sich im Nachhinein als so richtig erweist. Ich habe mir wirklich einen Traum erfüllt und dafür sehr viel geopfert und investiert, aber in diesem Moment der Reise spüre ich, das war es wert. 

Als wir mit einem Buch auf der Dachterrasse liegen, fallen mir eigenartig starke Wellen in der Bucht auf. Diese sind auf einen kleinen Raum begrenzt und beim genaueren Hinsehen erkennen wir plötzlich Rückenflossen. Da schwimmen gerade Delphine vorbei! Wir beobachten die Tiere bis sie nicht mehr sichtbar sind. Das ist das erste Mal, dass ich Delphine in freier Wildbahn gesehen habe und nach den Murmeltieren ist das definitiv mein zweites tierisches Highlight auf dieser Reise. 

2 Nächte stehen wir hier und die Zeit vergeht ohne dass wir wirklich aktiv etwas machen und trotzdem fühlt es sich gut an. Für jede kleine anfallende Arbeit wird ein Wettkampf kreiert, meistens Steine ditschen.

Philipp hat diesmal das bessere Händchen und ich darf den Grill sauber machen …

So spielen wir um den Abwasch, das Kochen, den Defender saubermachen oder Holzsammeln für das tägliche Lagerfeuer. Damit vergeht die Zeit schnell in der schönen Bucht und wenn wir so weiter machen, stellen wir noch den Weltrekord im Steine übers Wasser werfen ein. 

Lagerfeuer, Cevapcici und das Meer

Die besten Stellplätze auf KrK gibt es in der Nähe des Flughafens. Hier ist es dünn besiedelt und einige kleine Wege führen in abgelegene Buchten. Für unseren letzten Stellplatz in Kroatien müssen wir ein wenig Offroad fahren. 

Grober Schotter und ein steil abfallendes Gefälle sind endlich mal eine kleine Herausforderung für den Defender. An seine Grenzen kommt er allerdings bei Weitem nicht. Die Bucht ist wunderschön und da das ganze Gelände abschüssig ist, müssen wir die Räder auf der einen Seite mit größeren Steinen unterbauen.

Natürliche Auffahrkeile für den Land Rover Defender

Danach lockt das erfrischend blaue Wasser und von einem vorstehenden Felsen tauchen wir durch die spiegelnde Wasseroberfläche ins Meer ein. 

Am Abend entzünden wir ein kleines Lagerfeuer auf einem Felsen oberhalb der Bucht. Auf dem kleinen klappbaren Grill*, der sich als ideal fürs Lagerfeuer erwiesen hat, gibt es natürlich Cevapcici. Dazu gegrilltes Gemüse und Reis. 

hier findest du neben dem Grill weitere bewährte Teile meiner Ausrüstung

Stundenlang sitzen wir hier und genießen den Ausblick. Da wir Ende September haben, ist es zwar angenehm warm, aber nicht zu heiß. 

Heimreise mit Zwischenstop in Lublijana

Am nächsten Mittag treten wir langsam die Reise nach Hause an. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Zwischenstopp in Ljubljana ein. An einem etwa 20 Gehminuten von der Innenstadt entfernten Restaurant „Gostilna Livada“ kann man als Gegenleistung für ein Abendessen mit seinem Camper auf dem Parkplatz übernachten. Eine super Sache, wie ich finde, und das Essen war außerdem sehr schmackhaft. 

Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt, deren Wahrzeichen der Drache ist. Dieser prangt auch über dem Eingangstor zur Burg, die oberhalb von Ljubljana liegt.

Von hier aus sehe ich sogar den Triglav wieder, in dem ich vor einigen Tagen noch war.

Das Leben in der Stadt spielt sich hauptsächlich am Flussufer ab. Kreative und liebevoll eingerichtete Bars und Restaurants laden zum Genießen ein. Die Stadt wirkt jung und vielfältig. 

Ein besonderes Highlight ist das Eis von „Vigò“. Uns schmeckt es so gut, dass wir uns gleich noch ein zweites Mal anstellen. 

Auf der Rückfahrt der Reise übernachten wir noch einmal am Ossiacher See und am Chiemsee bevor wir wieder in der Heimat ankommen.

Nach 3 Wochen und über 3.000 km im Defender, kommt mir meine Wohnung nun viel zu groß vor und ich kann es kaum abwarten wieder auf Reisen zu gehen.

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