Defender Jungfernfahrt – Teil 1

Ausblick Wandern Plattkofel Langkofel Dolomiten

Bevor die erste große Reise mit Henry starten kann, müssen noch einige Kleinigkeiten am Ausbau fertig gestellt werden. Diese Restarbeiten haben dann doch so viel Zeit in Anspruch genommen, dass ich erst einen Tag später wie geplant auf dem Fahrersitz von Sir Henry Platz nehme. Ruckelnd springt der Diesel an und setzt sich langsam in Bewegung – Jetzt geht es endlich los auf die erste endlos-freisein Reise. 

An der nächsten großen Kreuzung setze ich den Blinker Richtung Süden, diesen Weg werde ich die folgenden Wochen nicht verlassen. Begleitet werde ich von gemischten Gefühlen, auf der einen Seite die große Vorfreude, auf der anderen Seite etwas Unsicherheit darüber, wie sich mein Ausbau und der Defender nach fast 1,5 Jahren Umbau schlagen werden. 

Erster Stop im Allgäu 

Da ich erst gegen Vormittag starten konnte, habe ich es heute nur bis ins Allgäu geschafft. Das ist natürlich auch der gemütlichen Reisegeschwindkeit des Defender geschuldet. 

Der erste Schlafplatz auf dieser Reise ist funktional. Ein Parkplatz am Sportgelände eines kleinen Ortes im Allgäu. Die etwas überraschende Kälte treibt mich schnell in den Camper und nach einem schlichten Abendessen lege ich mich aufs Ohr um früh starten zu können. 

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Bereits nach 315 km die erste … 

Am nächsten Morgen führt der Weg direkt zur Tankstelle. Während ich Sir Henry voll tanke, vernehme ich ein leises Plätschern unter dem Heck des Geländewagens. Diesel tritt aus dem Tank aus, vermutlich aus dem Bereich der Tankarmatur. Nachdem ich meine Sauerei mit Bindemittel abgestreut habe, fahre ich den Defender an den Seitenrand. Offensichtlich hat sich der Treibstoff durch den Druck der Zapfpistole oben an der Dichtung der Tankarmatur heraus gedrückt. Soll die Reise jetzt nach nur 315 km schon beendet sein? 

Probleme sind zum Lösen da

Ich habe solange auf diese Reise hin gearbeitet, so schnell gebe ich nicht auf. Während ich etwas niedergeschlagen auf dem Bordstein sitze und auf die kleine Pfütze unter Sir Henry schaue, fällt mir ein, dass ich mit fast vollem Tank zuhause los gefahren bin. Das bedeutet, dass definitiv der Druck der Zapfpistole das Leck verursacht haben muss. Wenn ich es schaffe 5-10 Liter aus dem Tank zu entnehmen, sollte eine sichere Weiterfahrt für mich und die anderen Verkehrsteilnehmer möglich sein. 

Schlauch, Kanister und ein bisschen Physik 

In der Nähe ist eine kleine Werkstatt. Zu Fuß mache ich mich auf den Weg und die Jungs leihen mir freundlicherweise einen Kanister* und einen Schlauch*. Das eine Ende des Schlauchs führe ich in den Tank ein, am anderen ziehe ich Luft an. Den Geschmack bzw. Geruch von Diesel werde ich heute nicht mehr los, der Treibstoff fließt allerdings glücklicherweise blau schimmernd in den Behälter.

Nachdem der Kanister voll ist, werfe ich den Jungs noch 5 Euro in die Kaffeekasse und teste auf dem Parkplatz ob der Tank nun nicht mehr ausläuft. Siehe da, lediglich einige Tropfen, die sich in der Mulde auf dem Treibstoffbehälter gesammelt haben, rinnen noch seitlich hinunter. Noch einmal gründlich reinigen und dann geht es zurück auf die Autobahn. 

Steil, steiler, Zirler Berg

Durch die Panne habe ich heute Morgen viel Zeit verloren, mein erstes Reiseziel werde ich deshalb vor Sonnenuntergang nicht mehr erreichen. Bis auf den Brenner möchte ich es allerdings noch schaffen. Der Weg dahin führt mich über den Zirler Berg, diesen kannte ich bisher noch nicht. Wer ihn einmal gefahren ist, wird ihn so schnell aber nicht mehr vergessen. Zuerst geht die Passstraße steil den Berg hinauf und auf der anderen Seite noch viel steiler hinunter und das Schlimmste an dieser Abfahrt sind die fehlenden Serpentinen. Zahlreiche Warnschilder und Ausweichwege deuten das kommende Gefälle an. Anfangs hilft noch das Bremsen mit den Gängen doch später steh ich pausenlos auf dem mittleren Pedal und nach einigen 100 Metern rieche ich die Folgen des Berges aus dem Radkasten. Ich bin heilfroh, als ich wieder eine halbwegs ebene Strecke unter Sir Henry habe. Jetzt braucht der Defender und vor allem ich eine kurze Pause, am Horizont sind bereits die ersten schneebedeckten Berge zu sehen. 

Unerwartete Idylle am Brenner

Am späten Nachmittag verlasse ich den Brenner bei der Abfahrt nach Klausen.

Die Sonne droht bereits hinter den Bergen zu verschwinden und das erschwert die Stellplatzsuche. Erschöpft manövriere ich den beladenen Defender durch die enge Altstadt, ehe ein schmaler Torbogen an einem Fluss einen Weg in die Natur andeutet. Die einspurige Straße läuft gegen den Strom des Flusses und führt über einen kleinen Staudamm.

Diesem folgt ein in den Fels geschlagener enger Tunnel und so langsam habe ich das Gefühl auf einem guten Weg zu sein.

Nach einigen 100 Metern knickt ein schmaler Pfad zum steinigen Flussbett hinunter. Hier steht bereits ein VW Bus aus München und nach kurzer Rücksprache geselle ich mich dazu. So ein idyllisches Örtchen, so nah an der berühmten Autobahn hätte ich nicht erwartet. Beim Einschlafen freue ich mich bereits darauf, den Platz in der Morgensonne erleben zu können.

Frühstück auf der Dachterrasse

Als der Wecker klingelt und ich die Gardinen zur Seite schiebe, ist es bereits hell. Die ersten Sonnenstrahlen fallen in das enge Tal und das Rauschen und Plätschern den Flusses ist gleichmäßig und wirkt beruhigend. Der andere Camper ist bereits fort und jetzt habe ich diesen wunderschönen Ort für mich alleine.

Ich gönne mir ein ausgiebiges Frühstück auf der Dachterrasse des Defender und um endlich den Geruch vom Diesel los zu werden, nutze ich den Bach und meine biologisch abbaubare Seife*. Das Wasser ist eiskalt und spätestens jetzt bin ich wach. 

Bevor ich mich wieder hinter das Lenkrad klemme, genieße ich noch ein wenig die Sonne auf der Dachterrasse und merke wie ich immer mehr den Alltag und die Sorgen hinter mir lasse.

Hinauf zum Sella – Joch  

Nach einem kurzen Stück auf dem Brenner biege ich Richtung Dolomiten ab. Mein Ziel ist Canazei. Um dorthin zu gelangen, muss zuerst der Sella Pass mit über 2.000 m Höhe überwunden werden. Bergauf fährt der Defender immer gut und ich muss nur bei einer Serpentine zurücksetzen.

Auf dem Pass zeigen sich die Dolomiten von ihrer schönsten Seite. Das Eis des Marmolada Gletschers spiegelt die Sonne und die saftig grünen Wiesen gehen mit der wachsenden Höhe in schroffe, fast unwirkliche Felsformationen über. Ich kann es kaum erwarten die Wanderschuhe* zu schnüren und diese atemberaubende Landschaft zu durchstreifen.

Heute ist es dafür allerdings schon zu spät und deshalb lenke ich Sir Henry im Tal zwischen Canazei und dem Fedaia Stausee an einen abgelegen Parkplatz, der lediglich von den Kieslastern des dahinter liegenden Steinbruchs befahren wird. 

Pfannenkuchen und Gaskocher 

Am Abend wird der Verkehr der schweren Lastwagen immer weniger und mich quälen Gelüste, genau genommen Gelüste nach Pfannenkuchen. Diese habe ich allerdings noch nie auf einem einflammigen Campinggas Kocher* zubereitet und die fixe Idee stellt sich als weniger praktisch heraus.

Der Gasverbrauch ist so hoch, dass es vermutlich die teuersten Pfannenkuchen aller Zeiten geworden sind. Ich lerne daraus, beim nächsten Mal gibts Kaiserschmarrn. 

Die erste Wanderung 

Der Wecker klingelt heute Morgen besonders früh, da ich zeitig aufbrechen möchte. Das ist beim Camping durch die Umbauarbeiten von Schlafmodus zu Fahrmodus nicht immer ganz einfach. Noch dazu hat es hier in Canazei nur 1 Grad in den frühen Morgenstunden. Es hilft alles nicht, raus aus den Federn, rauf aufs Sella Joch, rein in die Wanderschuhe* und schon befinde ich mich auf dem „Friedrich-August-Weg“.

Zum Glück trennt mich und diesen haarigen Zeitgenossen ein kräftiger Zaun …

Die Sonne scheint und da ich zuerst den Plattkofel und dann den Langkofel umrunden werde, sollte mir die Sonne den ganzen Tag folgen. Bei dieser Sonnenstudie habe ich allerdings die Wolken nicht berücksichtigt und sobald diese die wärmenden Strahlen verhindern, wird es bitterkalt.

Der Himmel zieht sichtbar zu…

Kurz vor der Plattkofelhütte frischt der Wind dann auch noch deutlich auf. Ich setze den Rucksack ab um mich wärmer anzuziehen und stelle fest „irgendjemand hat vergessen meinen Fleecepullover einzupacken…“ – natürlich war ich das selbst. 

Zum Aufwärmen flüchte ich mich in die Plattkofelhütte und stehe nun vor der Entscheidung: umdrehen oder trotz der widrigen Bedingungen weiter gehen?

Die Sonnenseite 

Ich entscheide mich für die zweite Option. Ein gutes Stück der Wanderung ist an diesem Punkt bereits absolviert und außerdem hoffe ich, dass der Bergrücken windgeschützter ist.

Zum Glück habe ich diesmal Recht und der Weg wird nach jeder Kehre schöner.

Grüne Wiesen und gewaltige Steinbrocken wechseln sich ab. Zwischendurch immer wieder spektakuläre Ausblicke über die Dolomiten.

Eine unglaubliche und unvergleichbare Landschaft. Der Weg ist für den ersten Tag durchaus anspruchsvoll, auch wenn er großteils ebenerdig verläuft.

Zurück am Parkplatz freue ich mich nach Stunden endlich die Wanderschuhe ausziehen zu dürfen. Heute Abend gönne ich mir einen Campingplatz, denn eine warme Dusche ist jetzt das Schönste was ich mir vorstellen kann. 

Vor dem Schlafengehen plane ich bereits die nächste Wanderung, aber dazu mehr im nächsten Bericht der Defender – Jungfernfahrt.

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