Reisebericht – Côte d‘ Azur

Calanque d'en Vau

– Malerische Buchten und eine schmerzliche Erfahrung –

Auf dem Weg an die Côte d’ Azur legen wir einen Zwischenstopp im Naturpark „Pilat Regional“ südlich von Lyon ein. Schnell wird klar, dass die Einheimischen in dieser Region ihr Geld hauptsächlich mit dem Weinanbau verdienen. Die alten Häuser sind mit dem Stein gebaut, der vor Ort aus dem Felsen gebrochen wird. Ein sehr harmonisches Landschaftsbild, welches durch die zahlreichen Weinberge abgerundet wird. Touristen treffen wir um diese Jahreszeit kaum. Die Gegend ist hügelig und teilweise dicht bewaldet.

Ab ans Meer

Am folgenden Tag zieht es uns nur noch ans Meer. Wir können es kaum abwarten endlich die salzige Meerluft zu atmen und den Sand unter unseren Füßen zu spüren. Google Maps verrät uns den kürzesten Weg und so landen wir in einem touristisch geprägten Ort namens „Santes-Maries-de-la-Mer“ mit einem langen breiten Sandstrand. Es gibt hier viele Pferde und wir streifen immer wieder überflutete Felder, die dem Reisanbau dienen. Wir lassen den Tag am Strand ausklingen und spüren mit Einbruch der Dämmerung die Nebenwirkungen des Sumpfgebietes und der Flussmündung in der Umgebung – eine unerträgliche Mückenplage!Ich kann mich nicht erinnern jemals so viele Stechmücken gesehen zu haben.

Calanque de Sormiou

Der nächste Morgen beginnt mit Jucken und Kratzen und dem klaren Ziel, nur weg aus diesem Gebiet. Anstatt eines breiten Strandes suchen wir eher die Ruhe abgelegener Buchten. Wir fahren Richtung Marseille, hier gibt es mehrere Orte, die wir ansehen wollen. Die Autobahn führt uns direkt in die Küstenmetropole. Die Stadt macht einen unaufgeräumten und verbauten Eindruck, da kann auch der nachgeahmte Schriftzug von Hollywood nicht helfen. Sicherlich hat Marseille sehr schöne Ecken, da wir aber schon sehr bald in einem Tunnel unter der Stadt abtauchen, sehen wir davon nichts. Nachdem wir die Stadt durchquert haben, wollen wir die Bucht „Calanque de Sormiou“ erkunden. Doch die Einfahrt wird bereits 3 Kilometer vor dem Ziel verwehrt. Macht nichts – dann eben zu Fuß. Oftmals ist der Weg ja bekanntlich schöner als das Ziel. Und das trifft durchaus auch bei diesem Weg zu. Die Straße führt in Serpentinen hinab zum Strand. Während des gesamten Weges ergeben sich schöne Blickwinkel auf das blaue Wasser, welches vom Mittelmeer in die Engstelle gedrückt wird.

Der Blick in die Bucht „Calanque de Sormiou“ mit einem Schmetterling

Bei genauem Hinsehen entdecken wir auch viele interessante Wildblumen, Schmetterlinge und sogar einen Wollschweber, der mit seinem Verhalten sehr an einen (Mini-) Kolibri erinnert. Den kleinen Kerl auf einem Foto einzufangen hat nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch Nerven gekostet.

Ein „Wollschweber“ nutzt seinen langen Rüssel zur Nahrungsaufnahme

Die Bucht an sich ist sehr verbaut, der Strand eng und die Sauberkeit ist steigerungsfähig. Dennoch genießen wir ein paar Stunden die Sonne und lauschen den Wellen. Auf dem Rückweg entdecken wir auf der Bergkuppe einen wahnsinnigen Blick auf Marseille. Die Stadt wird von den Hügeln links und rechts wie von einem Bilderrahmen gefasst.

Blick auf die Stadt Marseille

Calanque d’en Vau

Nach einer angenehmen Nacht wachen wir in Cassis auf. Die Sonne scheint und wir freuen uns darauf, die Bucht „Calanque d’en Vau“ zu erkunden. Die Abfahrt von der Hauptstraße zum Parkplatz ist schwer zu finden und wir haben sie gleich zweimal verpasst. Die nächsten Kilometer sind einspurig und da die Franzosen keinen Wert auf ihre Autos legen, lasse ich immer wieder einen „Bleifuss“ passieren. Als wir ankommen, ist der Parkplatz gut gefüllt und wir beginnen die 50 minütige Wanderung in die Bucht. Mit dem Auto ist der Strand nicht zu erreichen, deshalb erhoffen wir uns etwas mehr Natur. Am Anfang ist der Weg sehr entspannt zu gehen und endet zuletzt in einem kleinen Klettersteig. Wobei Google Maps mehrere Wege anzeigt, sind eventuell andere Wege deutlich einfacher zu gehen. Nach einer langen Linkskurve treffen wir staunend in der Bucht ein und wir sind uns sehr schnell einig: Hier gefällt es uns sehr gut. Wir sind zwar bei weitem nicht alleine, aber alle scheinen sich hier nach Ruhe und Erholung zu sehnen. Es besteht eine sehr angenehme Atmosphäre. Das Wasser mit seinen unterschiedlichen Blautönen ist wirklich sehenswert. Man liegt etwas hart auf dem Steinstrand, dafür haben wir später auf dem Heimweg nicht den ganzen Sand im Schuh.

 

Das wunderschöne Blau des Wassers in der Bucht

Schmerzliche Erfahrung

Nach einem wunderschönen Tag in der Bucht, trifft uns auf dem Parkplatz buchstäblich „der Schlag“. Schon von weitem sehe ich, dass die Gardinen herunterhängen. Als ich um das Auto herum schreite, sehe ich, was passiert ist. Ich habe schon die ganze Zeit hier in und um Marseille kein gutes Gefühl gehabt und dieses sollte sich jetzt auch noch bestätigen. Das Fenster der Fahrerseite ist eingeschlagen, das Auto durchwühlt. Alles, was greifbar war, ist weg. Wertsachen lasse ich zum Glück nie in meinem Auto. Dennoch sind alle unsere Klamotten, Hygieneartikel und diverse elektrische Geräte verschwunden. Ich kann mit der Situation irgendwie überraschend gelassen umgehen, da ich die ganze Zeit schon damit gerechnet habe. Wir haben zwar keine großen Wertgegenstände verloren, aber viele Lieblingsklamotten. Jetzt heißt es, das Auto von Scherben befreien und zur nächsten Polizeistation fahren.

Das Fenster der Fahrerseite ist eingeschlagen und das Auto durchwühlt

Den Weg zur Polizei hätten wir uns sparen können, hilfreich war das nicht. Uns wurde empfohlen die Anzeige Online zu erstellen. Wir decken uns noch notdürftig mit neuer Kleidung ein und übernachten dann wieder auf dem Campingplatz in Cassis. Die kaputte Scheibe klebe ich mit Mülltüten und Klebeband provisorisch ab. In dieser Nacht schlafen wir unruhig, jedes Geräusch reißt uns aus dem Schlaf.

Lac du Bourget

Am nächsten Morgen erhalten wir auf dem Campingplatz Besuch von einer Citroën Berlingo Fahrerin, die sich für Ruby’s Ausbau interessiert und begeistert ist. Zeit für eine lange Unterhaltung haben wir leider nicht, denn wir müssen zu Carglas. Die Jungs basteln uns dort kostenlos eine Plexiglasscheibe in die leere Öffnung. Die Lösung ist nicht optimal, aber für einen Pfingstsamstag bin ich mehr als zufrieden. Mehrmals habe ich das Gefühl, dass die Menschen sich hier für die Verbrechen einiger weniger verantwortlich fühlen und so werden wir immer wieder von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft überrascht. Wir beschließen, die Heimreise mit Zwischenstopps anzutreten, wobei der erste Halt in den französischen Alpen in der Nähe von Grenoble erfolgen soll.

Die Côte d‘ Azur behalten wir mit gemischten Gefühlen in Erinnerung. Der Einbruch ins Auto und der Raub persönlicher Sachen überschattet die tollen Eindrücke der letzten Tage.

Auf dem Weg nach Grenoble werden wir mehrfach mit heftigen Regenschauern und teilweise sogar Hagel konfrontiert. Am Horizont türmen sich neben den Bergen auch die Gewitterwolken auf und immer wieder zerschneidet ein greller Blitz den grauen Himmel. Kurz vor Grenoble lichtet sich öfter für einen kleinen Moment die Wolkendecke und gibt Blicke auf die gewaltigen Berge mit ihren schneebedeckten Gipfeln frei. Wir entscheiden uns, dem sonnengefluteten Lichtkegel am Horizont zu folgen und landen am „Lac du Bourget“. Als wir ankommen, geht die Sonne gerade unter und wir genießen die letzten schönen Stunden des Tages. Am Ufer des Sees bewundern wir, wie sich der Himmel mit dem Einsetzten der Dämmerung in ein farbenfrohes Spektakel verwandelt.

Die Dämmerung am Ufer des „Lac du Bourget“

Lac de Longemeer und ein roter Teppich

Am nächsten Morgen ist der Himmel blau und alle Wolken des Vorabends sind verschwunden. Leider steht für uns die nächste Etappe auf dem Plan. Wir entscheiden uns, vermehrt über Landstraßen zu fahren. Zum einen wollen wir die hohe Maut für Autobahnen sparen, zum anderen schaue ich mir auch beim Fahren gerne die Umgebung an. Diese Entscheidung wird mit einem malerischen Mohnblumenfeld am Ausläufer der Alpen belohnt. Die Blumen wirken wie ein roter Teppich. An diesem Feld könnte ich stundenlang stehen bleiben und fotografieren.

Ein Teppich aus roten Mohnblumen

Pünktlich zum Sonnenuntergang treffen wir am letzten Ort für diese Reise ein. Der „Lac de Longemeer“ in den Vogesen empfängt uns mit seiner stillen, fast wellenlosen Wasseroberfläche. Wir genießen die frische und leicht kühle Luft, die den Geruch der Wälder um uns herum trägt. In der Nacht wird es diesmal richtig kühl und wir sind froh, dass der Schlafsack uns warm hält. Am kommenden Tag treten wir das letzte Stück der Heimfahrt an. Eine sehr spannende und nervenaufreibende Reise liegt hinter uns. Wir haben viel gesehen, aber wenig Zeit zum Entspannen gehabt. Ein paar Tage mehr hätten dem langen Reiseweg gut getan. Mein Auto „Ruby“ hat wiedermal bewiesen, dass es noch lange nicht zum alten Eisen gehört und hat die Strecke von über 2.000 Kilometer ohne zu murren bewältigt. Ich bin wiedermal sehr stolz auf den kleinen roten Renault.

Abendstunden am Lac de Longemeer

Zuhause wartet jetzt auch schon der Defender, der Ausbau muss weiter gehen. Bis bald und scheut euch nicht bei Fragen oder Anregungen das Kommentarfeld zu nutzen, denn dafür ist es da!

2 thoughts on “Reisebericht – Côte d‘ Azur

  1. Lieber Nick, deine Seite ist wirklich gelungen und liest sich spannend, kurzweilig und vor allem sehr flüssig und gut. Du solltest dir mal Gedanken machen, ob du nicht deine schriftstellerischen Neigungen mehr ausbaust, vielleicht gleichzeitig mit deinem Defender.
    Eine tolle Seite hast du und deine Beschreibungen toll.

    Respekt und danke, dass du mir den Link gegeben hast.

    LG Elva

    1. Hallo Elva,

      herzlich willkommen auf endlos-freisein.com.

      Vielen Dank für das positive Feedback. Ich freue mich, dass dir die Seite
      und meine Art zu schreiben gefällt. Demnächst erscheint ein weiterer Reisebericht, ich hoffe du bist dann auch wieder dabei? 🙂

      LG Nick

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