Buschtaxi Camper mit Hubdach

Ein Toyota Land Cruiser BJ 45 wird zum einzigartigen Reisemobil

Mit einem knalligen Farbkontrast steht er in der grünen Wiese, der Toyota Land Cruiser  BJ45 – ein Stück Automobilgeschichte zum Anfassen. Die Form der Karosserie erinnert besonders im vorderen Teil noch an eine Kutsche. Und die vielen möglichen Sitzplätze im Heck des Kult-Geländewagen haben ihm in Regionen dieser Erde, die wegen schlecht befahrbarem Gelände ohne Buslinien auskommen müssen, den legendären Namen „Buschtaxi“ verliehen. 

Genau im Jahr 2021 wird der Toyota Land Cruiser von Steven 40 Jahre alt – Baujahr 1981! Ein gutes Alter um nochmal richtig durchzustarten – dachte sich auch sein Besitzer und schenkt dem Toyota mit einem Ausbau in unserer Manufaktur nochmal ein neues Leben als Weltreisemobil. Vorab wurde das Fahrzeug, die Mechanik und Karosserie betreffend, überholt.

Für uns ist es eine ganz besondere Aufgabe. Nach den letzten Land Rover Defender – Ausbauten haben wir hier eine ganz andere Karosserieform und viel mehr Platz im Innenraum vor uns. 

Das Hubdach ermöglicht ein zweites Geschoss und gibt uns noch mehr Optionen, um aus dem Geländewagen ein richtiges „kleines Zuhause auf Rädern“ zu erschaffen. Mit der ersten Schraube beginnt ein spannendes Projekt bei dem Historie und Kult auf moderne Camper-Elektronik und junge kreative Designlösungen treffen. 

Buschtaxi – das Ausbaukonzept

Gemeinsam mit Steven entwickeln wir im 3D Modell einen Innenausbau, der auf die Bedürfnisse und Wünsche des Eigentümers zugeschnitten ist.

Der leere Toyota Land Cruiser BJ 45 zu Beginn des Projekts

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Dem Niederländer sind reichlich Stauraum und freie Sicht durch die zahlreichen Fenster besonders wichtig. Außerdem liegt Steven viel an einer Lösung, dass die Liegefläche im Dach während der Fahrt ausschließlich über dem Cockpit gelagert werden kann. Somit kann Steven bei Bedarf auf der Rücksitzbank noch 2 weitere Fahrgäste mitnehmen und diese können entsprechend Kopffreiheit genießen. 

Blick in die Ausbauplanung von der Heckseite

Um Steven möglichst alle seine Vorstellungen erfüllen zu können, entscheiden wir gemeinsam, die Fensterflächen im unteren Bereich ca. 10 cm zu überbauen. Dadurch bekommt die Küchenzeile eine angenehme Arbeitshöhe und auch die Rückenlehne auf der anderen Seite verdient die Bezeichnung dann umso mehr. 

Blick in die Ausbauplanung von der Frontseite

Der Grundriss wird in L-Form mit einer langen Küchenzeile und zwei Sitzbänken geplant. Der entstehende Fußraum/Gang kann bei Bedarf mit Einlegeböden verschlossen werden.

Der Ausbau des Toyota Land Cruiser

Bevor wir mit dem eigentlichen Innenausbau beginnen können, sind auch rund um das Fahrzeug noch zahlreiche Aufgaben zu erledigen, um in ein paar Monaten mit dem Gefährt auf Reisen gehen zu können. Einer der ersten und wichtigsten Schritte ist es, den separaten Reserveradträger mit der Tür zu verbinden, um den linken Türflügel der Hecktür überhaupt von innen öffnen zu können. 

Das Gelenk verbindet die Hecktür und den Reserveradträger die einen unterschiedlichen Drehpunkt haben.

Gasdruckfedern für das Hubdach

Zuerst montieren wir neue Auflagewinkel für die Liegefläche, da die vorherigen nicht genug Auflager geboten haben. Anschließend nutzen wir die neue und verstärkte Konstruktion dafür, um das Hubdach nachträglich mit kräftigen Gasdruckfedern auszurüsten. Dadurch wird der Niederländer demnächst in der Lage sein, das Dach mit eigener Körperkraft leichter öffnen und schließen zu können. 

Hecktrittstufe und LED Strahler für den Buschtaxi-Camper

Damit Steven für den „Kraftakt“ beim Bedienen des Hubdaches eine optimale Stand- und Ausgangsposition einnehmen kann, montiert unser KFZ – Meister Hermann eine Hecktrittstufe* mit einer eigens angefertigten Unterkonstruktion, welche die Montage der Stufe an der Anhängerkupplung möglich macht. Im Heckbereich erhält der Toyota über der Tür noch einen LED Scheinwerfer*. (Bild siehe weiter unten „Hecktürverkleidung“)

Airline-Schienen und Outdoorküche 

Auf beiden Flanken des Land Cruiser montieren wir Airline-Schienen*.

Dieses praktische Befestigungssystem nutzen wir für eine klappbare Outdoorküche, die aus Aluminium Sandblechen* besteht, die zugleich als Anfahrhilfe dienen können. Des Weiteren statten wir das Buschtaxi mit einem Jerry-Can Frischwasser- und einem Dieselkanister* aus.

Outdoorküche aus klappbaren Sandblechen und einem Frischwasserkanister

Standheizung im Radkasten des Land Cruiser

Um im Innenraum des Fahrzeugs keinen Platz zu verlieren, montieren wir die Webasto STC 2000 Standheizung* unterflur im Radkasten. Da hier alles sehr beengt ist und die Standheizung zusätzlich in einen Edelstahlkasten* verstaut werden muss, stellt sich diese Aufgabe als diffizil heraus.

Nachdem die Montage geglückt ist, fertigt Hermann noch einen Spritzschutz für die Luftansaugung der Brennkammer an. 

Solaranlage mit Unterkonstruktion

Für eine ideale Stromversorgung unterwegs stehen noch Arbeiten auf dem Dach des Toyota Land Cruiser an. Steven möchte hier eine starke Solaranlage verbaut haben,  bestehend aus 4 flexiblen Solarmodulen. Da die Dachfläche aufgrund des Alters nicht mehr ganz eben ist, stellen wir für die großen Module eine Unterkonstruktion aus Aluminium her,  auf denen die Solarmodule anschließend verklebt werden. 

Insgesamt vier Solarpanele befinden sich auf dem Dach des Buschtaxi-Camper

Dachluke mit maßgefertigter Adapterplatte

Die alte Dachluke aus Kunststoff hat der ständigen Sonneneinstrahlung der letzten Jahrzehnte nachgegeben. Das marode Plastik ist gebrochen. Wir ersetzen das alte Fenster durch eine neue hochwertige Dachluke aus Aluminium und mit Insektenschutz. Da es für die Öffnung im Dach keine passende Luke mehr gibt, fertigen wir aus Aluminium eine Adapterplatte* an, in die die neue Dachluke eingesetzt wird. 

Blick von Innen auf die neue Dachluke mit der Aluminium-Adapterplatte

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Innenausbau – die Sitzbank: 

Wie im Konzept bereits dargestellt, basiert der Innenausbau auf einem L-förmigen Grundriss.  Auf der Fahrerseite befindet sich in Fahrtrichtung das erste Modul: die Sitzbank. Unter der Sitzfläche entstehen 3 Schubladen*, welche einen idealen Zugriff auf den Stauraum ermöglichen. 

Viel Stauraum ist auf langen Reisen besonders wertvoll…

Innenausbau – die Lehne:

Direkt hinter der Sitzbank befindet sich die Rückenlehne, die mit den Polstern eine bequeme Sitzposition schafft.  Diese Polster sind aber ebenso zur weichen Abdeckung vom geschlossenen Fußraum gedacht.

Phil träumt beim Präsentieren der Polster scheinbar bereits vom Meer 😉

Auf der Seite der Hecktür haben wir eine kleine Wartungsklappe mit versenkten Scharnieren* verbaut, um an die 12V-Steckdosen* neben der Hecktür und das hinter der Lehne verlaufende Leerrohr für die Elektronik zu kommen, ohne dafür die komplette Holzkonstruktion zu entfernen.

Oberhalb der Lehne befindet sich die mit Filz* bezogene Wandverkleidung um die Fensterrahmen. Besonders im hinteren Teil des Land Cruiser war das Anbringen dieser Verkleidung eine große Herausforderung,  da wir die Verkleidung an die runde und zugleich geneigte Fläche anpassen mussten. Das gelang uns unter anderem durch den Einsatz von Biegesperrholz*.

Einblick in die Entstehung der komplexen Wandverkleidung

Innenausbau – Sitzbank 2 

Hinter den beiden Frontsitzen verläuft quer das zweite Sitzbank-Modul. Unter der Sitzbank befindet sich im Gangbereich eine ausziehbare Kühlschublade* mit 30 L Fassungsvermögen. Direkt daneben und über eine Klappe erreichbar, schlägt das elektronische Herz des Offroad Campers. Mehr dazu im Abschnitt Elektronik. 

Da die Sitzbank mit fast 80 cm (entspricht der Tiefe der Kühlschublade) zum bequemen Sitzen ohne Lehne zu tief ist, haben wir uns etwas besonderes einfallen lassen. Durch das Entriegeln vom hinteren Teil des Sitzbankdeckels kann die Fläche mittels Gasdruckfedern zur Lehne umfunktioniert werden. In dieser Sitzposition kann Steven ganz bestimmt den ein oder anderen beeindruckenden Ausblick aufs Meer oder die Berge genießen.

Innenausbau – Küchenzeile Wasserversorgung

Mit fast 2,00 m Länge bietet die großzügige Küchenzeile alles, was die Camping-Küche benötigt. Direkt hinter dem Beifahrersitz befinden sich 2x 12 L Frischwassertanks*, welche mittels Gardena-Anschluss* betankt werden können.

Ein Absperrhahn* und zwei Tauchpumpen* ermöglichen es, die Kanister separat zu nutzen. Direkt darüber, in der Küchenzeile eingelassen, ist ein Edelstahlspülbecken mit versenkbarem Wasserhahn*.

Innenausbau – Küchenzeile Bedienelemente 

Die Steuerung der elektronischen Komponente sowie der Standheizung wird im Bedienelement in der Front der Küchenzeile vorgenommen. Ein paar 12V Steckdosen*, sowie ein Batteriecomputer* und ein Auslass der Standheizung* komplettieren das Bedienelement. Der zweite Auslass/Ausströmer* der Standheizung befindet sich im Gang beziehungsweise im Fußraum. 

Die Bedienelemente sind eingelassen und das Auf- und Zuklappen der Lehne zu ermöglichen

Du planst deinen eigenen Camper Auszubauen? Dann schau unbedingt bei uns im Umbaukatalog vorbei, dort findest du viele der Produkte, die wir für unsere Ausbauten verwenden und die sich in der Praxis bewährt haben.

Innenausbau – Küchenzeile Tisch

Genau in der Ecke der beiden Sitzbänke kann die Arbeitsplatte der Küche über eine Länge von 60 cm mittels belastbaren Vollauszug Schubladenschienen* herausgezogen werden und fungiert dann als freitragenden Tisch, der kein zusätzliches Tischbein benötigt.

Die Position des Tisches ist so gewählt, dass man sowohl „über Eck“ sitzen kann oder, wenn ein Brett im Fußraum eingehängt ist, auch mit mehr als 2 Personen um den Tisch herum Platz findet. Im Bereich unter der Arbeitsplatte befindet sich großzügiger Stauraum für die Küchenutensilien. 

Innenausbau – Küchenzeile Kocher

Steven hat sich zum Kochen für den Kinja Stove Gaskartuschenkocher* entschieden. Diese mobile Lösung kann der Niederländer bei ausreichend Belüftung im Innenraum oder bei schönem Wetter an einer der beiden Outdoorküchen verwenden. Der Kocher ist vertikal neben der Hecktür verstaut, sodass der Zugriff auf den Kocher von innen und außen problemlos möglich ist. 

Innenausbau – Dachrinnenblende

Direkt unter der Liegefläche im Dach verläuft eine schlanke Holzleiste hinter der sich beidseitig 2 Meter lange LED Streifen verbergen, mit denen eine angenehme indirekte Beleuchtung erreicht wird. Ergänzend befinden sich hinter diesen beiden Leisten biegbare Gardinen-Führungsschienen*, die den gesamten Camper verdunkeln können. 

Innenausbau – Hecktürverkleidung  

Die zweiflügelige Hecktür wurde von uns ebenfalls mit Holz verkleidet. Die größere der beiden Türen haben wir zusätzlich mit einem eingelassenen Klapptisch versehen, auf dem der Kinja Stove* auf den Millimeter genau darauf passt. Die Gaskartusche* kann dann in einem Gaskartuschen-Säckchen* mittels Karabinerhaken* seitlich an den Klapptisch gehängt werden. 

Auf diesem Bild ist auch der Hecktritt sowie die LED Beleuchtung zu erkennen.

Innenausbau – Liegefläche oben und unten 

Die Liegefläche im Dach ist aus Multiplexplatten gefertigt und mit 10 cm starken Polstern bestückt. Die Multiplexplatten sind an den Kanten mit schlanken Stahlwinkeln verstärkt und verzahnen sich mittels Dübel ineinander, um größtmögliche Steifigkeit in der 1,45 x 2,00 m großen Liegefläche zu erzeugen.

Abschließend haben wir noch den Dachhimmel wie zuvor das ganze Fahrzeug mit Armaflex* gedämmt und mit Filz bezogen. Die großen Öffnungen in den Platten dienen der Gewichtsreduzierung und der Belüftung der Polster. 

Über dem Kopf des Fahrers bzw. Beifahrers befinden sich noch zwei eingeschobene und gesicherte Platten, die bei Bedarf zwischen Küchenzeile und der Sitzbank eingehängt werden können. Dadurch ist es auch möglich unten zu schlafen. 

Durch die eingehängten Platten entsteht eine zweite große Liegefläche im Buschtaxi-Camper

Elektronik des Buschtaxi – Camper

Das Versorger-Batteriesystem baut auf einer 200 Ah LiFePO4 Lithium-Batterie* auf. Neben der Anbindung an die Lichtmaschine (welche noch auf das serienmäßige 24 V-System ausgelegt ist) mittels eines Batterie zu Batterieladegeräts (24V nach 12V), besitzt der Land-Cruiser auf seinem Dach insgesamt vier flexible Solarmodule mit einer maximalen Gesamtleistung von 266 W, welche die Versorgerbatterie über die verbauten Solarladeregler* mit ausreichend Energie versorgen.  Zusätzlich dazu verfügt der BJ45 über einen im Fahrzeug verbauten 1000 W Wechselrichter* mit integrierter Netzvorrangschalter, der über einen Defa-Adapter *in der Radkastenstaubox von außen mit einem 230V-Netz verbunden werden kann. Mit der Ausstattung eines 24V Batterieladegeräts* ist es zusätzlich möglich die Starterbatterien über den Wechselrichter zu laden.

Mit der Übergabe des Fahrzeugs endet für uns das bisher größte Projekt. 

Wir wünschen Steven und seiner Familie viel Spaß auf den Reisen mit dem roten Buschtaxi. 

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