Über den Mendelpass nach Meran

Tappeinerweg Meran Ausblick

Ich bin schon so oft an Meran vorbei gefahren, habe die Stadt aber nie besichtigt. Das möchte ich ändern. Deshalb werde ich „meine Zelte am Kalterer See abbrechen“. Da ich viel Zeit habe und gerne etwas von der Landschaft sehen möchte, entscheide ich mich dafür, den Weg über den Mendel-Pass zu nehmen.

Über den Mendel-Pass

Der Weg führt mich zuerst in die kleine Stadt Kaltern, die ich bereits von der Leuchtenburg aus gesehen habe. Ein paar Kilometer weiter knickt die Straße nach links auf die „SS42“ ab und nimmt von hier an einen steilen und kurvigen Verlauf. Nach einigen Serpentinen riecht es im Auto auf einmal „verschmort“. Der erste Blick geht auf die Motorhaube, kein Qualm, nichts! Auch, was ich im Rückspiegel sehe, deutet nicht daraufhin, dass mein Auto „Ruby“ Probleme hat. Der Geruch muss von draußen kommen. Etwas verunsichert setze ich die Fahrt fort. Dann wird die Straße auf einmal richtig schmal, auf der rechten Seite der Felsüberhang und auf der linken Seite der Abhang und der hat es in sich, da geht es „gefühlt“ senkrecht bergab. Die schmale Gasse schlängelt sich am Fels entlang und ich bin froh, dass kein Gegenverkehr kommt. Die Bäume geben immer wieder den Blick auf die „Mendel-Bahn“ frei, welche diesen gewaltigen Anstieg (teilweise bis zu 64% Steigung) auf geradlinigem Weg überwindet. Die Standseilbahn wurde 1903 gebaut und erschloss den Mendel-Pass, der früher bereits von den österreichischen Kaisern besucht wurde.

Nachdem ich den Pass überwunden habe, führt die Straße auf einem gleichmäßigen Höhenzug entlang. Einige kleine Dörfer liegen an der Strecke. Allerdings scheint die ganz große touristische Zeit dieser Region vorüber zu sein. Einige gewaltige Hotelanlagen im Gründerzeitstil stehen leer. Zuerst denke ich, dass die Region eher vom Wintertourismus lebt und deshalb einige Hotels geschlossen sind. Leider häuft sich an der Strecke die Anzahl der Villen mit zugenagelten Fenstern und baulichem Verfall, was meine erste Theorie bestärkt. Als Architekt leide ich immer sehr, wenn ich diese historischen Gebäude sehe, mit ihren massiven Sockeln, den gewaltigen Geschosshöhen und den reich verzierten Stuckfassaden. Am liebsten würde ich anhalten und direkt mit der Restaurierung beginnen. Ich hoffe, dass diesen beeindruckenden Gebäuden eines Tages neues Leben eingehaucht wird.

Ein mysteriöser Ort 

Etwa in der Mitte der Strecke, die ich zurücklegen will, treffe ich auf einen sehr interessanten Ortsnamen. Das kleine Bergdorf nennt sich „Unsere liebe Frau im Walde“.

Dieser Ortsname hat mir keine Ruhe mehr gelassen und deshalb halte ich am Straßenrand an, um die Herkunft des besonderen Ortsnamens zu recherchieren. Allem Anschein nach ist der Name auf ein Kloster mit Hospiz aus dem 12. Jhd. zurückzuführen, welches der Jungfrau Maria geweiht war. Die Gemeinde ist offenbar auch ein Wallfahrtsort. Ganz nebenbei ist „Unsere liebe Frau im Walde“ eine schöne Ortschaft und der Ausblick hier oben ist sehenswert.

Gleich am Ziel „Meran“

Nachdem ich das ländliche Gebiet mit einigen kleinen kurvigen Straßen und Passkuppen hinter mir gelassen habe, kann ich die ersten Blicke in den Talkessel, in dem auch Meran liegt, genießen. Das Tal ist ausgefüllt mit Obstplantagen und die Landschaft wirkt dadurch geplant und geordnet. Erst wenn das Tal in die Berghänge übergeht, übernimmt die wilde Natur wieder das Landschaftsbild. Steile Felsklippen, Wälder und vereinzelte Hütten besiedeln die steilen Hänge.

Ein kleines Stück muss ich noch auf einer Schnellstraße im Tal fahren und dann entdecke ich den markanten Kirchturm von Meran.
Ich parke das Auto in der Tiefgarage der „Therme Meran“, natürlich nicht ohne Hintergedanken.

Stadtrundgang – eine Wohltat für die Sinne

Vom Thermalbad starte ich meine Erkundungstour. Was mir zuerst auffällt, sind die vielen Touristen. Der erste Eindruck der Stadt ist – schön, aber überlaufen! Wenn ich irgendwo zum ersten Mal bin, muss ich mir zunächst einen Überblick verschaffen. Am besten geht das bekanntlich von oben und deshalb gehe ich einen kleinen Fußweg am Rande der Altstadt hinauf.

Dieser Weg entwickelt sich zu einem sehr interessanten Pfad und stellt sich später als der „Tappheiner Weg“ heraus. Wenn ich mich vorher über die Stadt informiert hätte, wäre ich vermutlich auch hier entlang gelaufen, denn dieser Weg ist in Meran sehr bekannt. Da ich allerdings wieder einmal komplett unvorbereitet durch die engen Gassen flaniert bin, hat mich entweder das Glück oder mein Instinkt hierher geführt.

Auf den folgenden Kilometern gibt es nicht nur etwas für das Auge. Neben den tollen Ausblicken auf die Stadt bestimmt die Vegetation mit Blumen und Sträuchern den Wegesrand.

Diese Pflanzen aus aller Welt geben unglaubliche Düfte von sich, die sich mit jedem Schritt verändern. Wenn ich mit verbunden Augen hier entlang geführt worden wäre, würde ich felsenfest behaupten, dass ich mich in einer Parfümerie befinde. Immer wieder schließe ich deshalb die Augen, um die angenehmen Gerüche noch intensiver wahrnehmen zu können. Ich verbringe mehrere Stunden auf diesem Weg, von dem immer ein neuer Weg abzweigt.

Der Pfad entwickelt sich zu einem Wegenetz, das schier endlos erscheint. Zwischen den verschiedenen Pflanzen tauchen immer wieder interessante Skulpturen auf. Ich könnte hier noch ewig umhergehen, allerdings möchte ich mir heute noch eine kleine Belohnung für die Wandertouren gönnen. Deshalb folge ich dem Fluss „Passer“, der durch Meran fließt, zurück in die Altstadt.

Ich flaniere entlang der Wandelhalle, die früher eine wichtige Bedeutung im sozialen Leben als Treffpunkt darstellte.

Entspannung und ein zentraler Campingplatz

Zurück in der Stadt gönne ich mir noch einen kleinen Imbiss und dann lasse ich den Tag im Thermalbad ausklingen. Die Therme bietet viele verschiedene Becken und einen riesigen Außenbereich, der an einen Stadtpark erinnert. Nach meinem Aufenthalt im Thermalbad fahre ich, ohne lange zu suchen und zu vergleichen, zu einem Campingplatz in der Stadt, bekomme einen Stellplatz und bin nur ca. 750 m vom Zentrum entfernt. Nachdem ich gegessen, das Geschirr gespült und wieder verstaut habe, zieht es mich nochmal zurück in die Altstadt.

Meran bei Nacht

Jetzt habe ich die Möglichkeit Meran nochmal in der Dunkelheit zu betrachten. Die Stadt wirkt nachts ganz anders als heute Mittag. Die Straßen sind leer und die Gebäude entfalten jetzt Ihre Wirkung viel stärker. Die Schaufenster in den engen Gassen sind beleuchtet und aus einigen Hinterhöfen vernehme ich immer wieder Stimmen und Gelächter. Kleine Restaurants und Vinotheken, die sich in den Hinterhöfen und Galerien niedergelassen haben, vermitteln Gemütlichkeit.

Aufgrund der späten Uhrzeit sind viele Restaurants bereits leer und deshalb schaue ich mich nach einer Cocktailbar um. Sesshaft werde ich bei Rossinis-Cocktailbar und bei einem erfrischendem Mojito versuche ich die richtigen Worte zu finden, um diesen ereignisreichen Tag zu beschreiben.

Über den Reschenpass an den Bodensee

Am nächsten Tag fahre ich weiter. Ich möchte die Reise am Bodensee ausklingen lassen und dort noch ein paar Tage entspannen. Der Weg führt mich über den Reschenpass mit dem Reschensee und dem berühmten Kirchturm, der als Wahrzeichen aus dem Wasser herausragt. Der Ort wurde im Jahre 1950 geflutet, um ein Staudamm-Projekt zu realisieren. Hier am Stausee unterbreche ich meine Fahrt für eine Pause und einen ausgiebigen Spaziergang.

Danach fühle ich mich frisch und erholt für die Weiterfahrt an den Bodensee. In der Nähe von Bregenz verbringe ich noch 2 wunderschöne Tage. Die Saison hier in der Gegend ist überwiegend vorbei, viele Campingplätze sind schon geschlossen und so habe ich ganze Strandabschnitte für mich alleine.

Hier endet eine schöne Reise, bei der ich einen Dreitausender bestiegen habe, im wärmsten See der Alpen geschwommen bin und beeindruckende Landschaften erleben durfte. Mein Minicamper „Ruby“ war wieder ein treuer und zuverlässiger Reisebegleiter und ich bin stolz auf den alten und untermotorisierten kleinen Kastenwagen, dass er die steilen Passstraßen gemeistert hat.

Im nächsten Bericht dreht sich wieder alles um den Defender, denn da gibt es inzwischen „endlich“ sichtbare Fortschritte. Und nach der Reise ist ja bekanntlich vor der Reise.

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