Dachhimmel – Isolieren und Verkleiden

Der Defender ist als Hardtop ziemlich nackt aus dem Werk in Solihull gekommen. Einen Dachhimmel hat er nur über den beiden Sitzen im Fahrzeugfond. Im hinteren Bereich glänzt das weiße Blech am Dach über der Ladefläche. Bei höherer Luftfeuchtigkeit ist das Blech immer leicht mit Kondenswasser überzogen.

Den Dachhimmel im vorderen Bereich habe ich bereits vor einem dreiviertel Jahr bei der Aktion „Alles muss raus“ entfernt.
Nachdem die Dachdurchführung für die Solaranlage fertiggestellt ist, kann ich endlich das Dach isolieren und „wohnlich verkleiden“.

Die Wahl des Materials

Ich habe mich für selbstklebenden melierten KFZ-Filz entschieden. Nachdem ich eine Reihe Materialmuster getestet habe, war die Entscheidung für diesen Filz schnell gefallen. Durch das Muster ist eine Verschmutzung nicht so schnell sichtbar wie bei einer einheitlichen hellgrauen Farbe.

Der Filz hat außerdem sehr gute physikalische Eigenschaften für ein Reisemobil. Neben der wohnlichen, warmen Atmosphäre isoliert das Material auch gegen Kälte und Schall. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die Aufnahme und Speicherung von Feuchtigkeit aus der Luft. Eventuell wirkt sich das positiv auf die Bildung von Kondenswasser aus. Der gewählte Filz ist 3mm stark.

Untergrund – Makrolon oder Sperrholz?

Ursprünglich wollte ich den Filz auf eine Platte ziehen und diese im Fahrzeugdach verschrauben. In der Praxis hat sich diese Maßnahme als sehr umständlich und schwierig herausgestellt. Das Dach des Defenders weist am Rand einen Radius von 17cm im Viertelkreis auf. Es gibt nicht viele stabile Materialien, die sich in kaltem Zustand um diese Rundung biegen lassen. Im Optimalfall sollte das Material auch Verwindungen oder einen Unfall überstehen und zumindest nicht splittern.

Ich habe mir zum Testen eine Makrolon-Platte in 2mm Stärke bestellt. Nach einigen Versuchen, diese Platte im Dach des Fahrzeugs zu platzieren, haben wir die Maßnahme aufgegeben. Ich behaupte nicht, dass es unmöglich ist, aber es ist definitiv eine schwierige Aufgabe. Das Makrolon lässt sich zwar biegen, ist aber doch recht „störrisch“. Bei dem Versuch die Platte in Position zu bringen, haben wir leider an einigen Ecken das bereits verklebte Armaflex und ein Stück der Oberfläche der Wandverkleidung beschädigt bzw. verkratzt.

Der „einfache“ Weg

Am Ende haben wir uns dazu entschieden, den Filz direkt auf das Armaflex zu kleben. Das bedeutet, dass ich den Dachhimmel nicht ausbauen kann. Ich hoffe natürlich sehr, dass dies in den nächsten Jahren auch nicht nötig sein wird.

Isolierung mit Armaflex

Jetzt habe ich bei meiner Erläuterung zum Einbauvorgang bereits etwas vorgegriffen. An erster Stelle steht natürlich die Isolierung des Blechs mit Armaflex. Da das Isoliermaterial nicht bei zu niedrigen Temperaturen verklebt werden soll, haben wir den Arbeitsplatz in die Werkstatt von Phillips Vater verlegt. Hier kann der Defender 2-3 Tage stehen und der Kleber somit bei angemessenen Temperaturen seine Wirkung entfalten. Draußen zeigt das Thermometer dagegen inzwischen nur Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt an.

Bevor die Dämmung auf das Blech geklebt werden kann, muss die Fläche fettfrei sein. Dazu tränke ich einen Lappen in Waschbenzin* und wische die Flächen zweimal gründlich ab. Das Waschbenzin verdunstet sehr schnell. Anschließend müssen alle Flächen gemessen und die Isolierung mit dem Cutter* zugeschnitten werden.

Das Dach des Defenders besteht aus einem Blech, das mit Sicken und einem Streben-System versehen ist. Wir dämmen die Flächen zwischen den Aluminiumstreben mit zwei Lagen des 9mm starken Armaflex*. Dadurch wird der Höhenunterschied vom Blech zu den Streben ungefähr ausgeglichen.

Damit sich in den Hohlräumen der Streben kein Kondenswasser bildet, überdämmen wir diese zusätzlich mit 3mm starkem Armaflex*.

Zu zweit ist die Arbeit gut ausführbar. Der eine zieht stückweise die Folie auf der Rückseite der Dämmung ab und der andere arbeitet ihm mit der Rolle* hinterher. Dadurch lassen sich Luftblasen zwischen Blech und Armaflex vermeiden.

Nach ein paar Stunden haben wir alle Flächen gedämmt und festgestellt, dass Überkopfarbeiten auf dem engen Raum ziemlich anstrengend ist.

Wohnliche Atmosphäre durch Filz

Noch sind wir allerdings nicht fertig, der anspruchsvollste Teil kommt erst noch. Der Filz muss möglichst sauber auf das Isoliermaterial geklebt werden. Jede Ungenauigkeit wird später sichtbar sein.

Bevor wir starten, testen wir nochmal die Robustheit des Filzes und sind beeindruckt. Um durch den Filz zu kommen, wird ein kräftiger Stoß mit einem Schraubenzieher benötigt, das beruhigt mich. Im alltäglichen Campingablauf wird der Kopf sicherlich öfter Kontakt mit der Deckenverkleidung haben und da ist Stabilität und Robustheit ein wichtiger Faktor.

Jetzt geht es los. Ich bin etwas nervös, aber Philipp ist wieder die Ruhe selbst. Wir gehen wie beim Verkleben vom Armaflex vor. Einer zieht die Folie ab, der andere „rollert“ hinterher. Wir beginnen im Heck des Defenders und arbeiten uns Zentimeter für Zentimeter vor. Sowohl die Arbeit über Kopf als auch die Konzentration verlangt uns beiden einiges ab. Die erste Bahn haben wir ohne Luftblasen verklebt und sind sichtlich zufrieden.

Die „Filzbahnen“ sind leider nur 100cm breit und so müssen wir eine Stoßfuge zur zweiten Filzfläche herstellen. Das ist definitiv der schwierigste Punkt bisher. Mit viel Geduld versuchen wir die Fuge so unsichtbar wie möglich auszuführen. Am Ende ist uns das ganz gut gelungen. Lediglich im stark gebogenen Außenbereich des Daches schimmert ein ganz schmaler Streifen des schwarzen Armaflex* durch.

Der Bereich über der Fahrerkabine

Den Bereich über der Fahrerkabine haben wir bereits isoliert. Wir sind uns hier noch nicht ganz sicher, ob wir den alten Dachhimmel sanieren und wieder einbauen werden, oder ob wir auch hier eine eigene Verkleidung in Form von Filz anbringen.

Nachdem es durch die schwarze Isolierung im Defender dunkel und unfreundlich war, ist es jetzt durch den Filz sehr wohnlich und hell geworden. Wahnsinn, was Farbe und Material alles bewirken können.

Vielen Dank an Philipp und auch an seine Familie, die durch die warme Werkstatt den Einbau des Dachhimmels ermöglicht haben.

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3 thoughts on “Dachhimmel – Isolieren und Verkleiden

  1. Moin,
    ist doch wirklich schick geworden.
    Welcher Filz ist das genau, ich habe so einen 2mm selbstklebenden, der klebt aber nicht wirklich gut.
    Gruß

    1. Hallo Patric,

      vielen Dank für dein Feedback. Ich bin selbst auch zufrieden mit dem Ergebnis.

      Den Filz habe ich von der Firma FranceTec und zwar ist das der „KFZ Filz 3mm Nadelfilz hellgrau meliert selbstklebend“

      Bisher klebt alles super! Luftblasen vermeiden … 🙂

      Gruß Nick

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