Innenausbau – Ideen, Skizzen und Ernüchterung

Die ersten Ideen zum Innenausbau des Land Rover Defender „Sir Henry“.

Vor einigen Wochen habe ich es endlich geschafft die Fenster einzubauen. Dieser Schritt war extrem wichtig, da ich jetzt genaue Höhen für den Innenausbau messen kann. Natürlich hatte ich mir bereits vor dem Einbau der Fenster ein ungefähres Bild des Innenausbaus gemacht, anders wäre die Position der Fenster nicht zu bestimmen gewesen.

In vielen Skizzen habe ich einen Plan entwickelt, welcher eine lange Küchenzeile unterhalb der beiden Fenster vorsieht in Kombination mit einer L-förmigen Sitzbank. Der Brückenschlag von Sitzbank zur Küchenzeile soll das Wohnzimmer zum Schlafzimmer verwandeln. Kaum habe ich den Stift nach der ersten groben Skizze weg gelegt, geistern idyllische Bilder in meinem Kopf herum, in denen ich mit einer heißen Tasse Kaffee gemütlich in meinem Defender sitze und über die Küchenzeile ins Grüne schaue.

In diese Küchenzeile sollen die Spüle, die Kühlbox und reichlich Stauraum integriert werden. Vor der Küchenzeile finden Raumsparkanister für Frisch- und Abwasser ihren Platz. Die Höhe der Sitzbank ergibt sich durch die Abmessungen der Raumsparkanister.  Über der Küchenzeile plane ich kleine Hochschränke, in denen die Steuerung der elektronischen Geräte sowie einige Steckdosen verbaut werden.Der Plan steht und die richtigen Einbauteile habe ich ebenfalls gefunden: Kühlbox, Standheizung, Kanister, Spüle, etc..
Durchaus leicht euphorisch meldet sich in meinem Hinterkopf mein alter Uni-Professor mit dem Satz: „Ein Modell sagt mehr als 1.000 Zeichnungen“. Ich erinnere mich an die Studienzeit zurück und da hatte er mit dieser Aussage in der Regel Recht. Ich plane den Ausbau zwar in 3D am PC, aber einen kleinen Abschnitt als 1:1 Modell zu bauen, kann trotzdem nicht schaden.

Ein Modell sagt mehr als 1000 Zeichnungen

Das 3D Modell erzeugt schnell ein schönes Bild und den Eindruck, dass alles sehr gut funktioniert. Das mag in einem Standard-Wohnhaus, das nach DIN Normen geplant wird, einwandfrei funktionieren. Bei einem Micro Camper Ausbau sieht das etwas anders aus.

Ob Sitzhöhe, Beinfreiheit oder Bewegungsfläche, bei einem Mini Camper weicht alles von gängigen Normen ab. Um herauszufinden, ob ich den Tisch in der Höhe gut nutzen kann oder der Abstand von Sitzfläche zur Küchenzeile angenehmes Arbeiten zulässt, hilft nur ein Modell im Maßstab 1:1. Deshalb durchsuche ich den Keller nach geeignetem Baumaterial und finde ein paar alte Styroporplatten. Schnell den „Styrocutter“ aufbauen und die Bastelei beginnt. Ich baue ein Stück der Sitzbank und ein Stück der Küchenzeile. Ich möchte den Freiraum für die Beine, die Entfernung zur Küchenzeile und vor allem die Sitzposition auf diesem engen Raum und der flachen Fahrzeugdecke überprüfen. Das Modell ist schnell gebaut und im Heck des Defenders positioniert.


Der Entwurf im Praxis-Test

Entspannt nehme ich auf dem Teilstück der Sitzbank Platz und als erstes stelle ich fest, dass ich mich nur geknickt hinsetzen kann, da ein paar Zentimeter Kopfhöhe fehlen. Dass ich in diesem Fahrzeug keinen Handstand machen kann, ist mir klar, aber diese geknickte Sitzposition ist auf Dauer weder bequem noch gesund.

Die Beinfreiheit ist optimal: Ich kann die Beine leicht im Fußraum positionieren ohne zu viel Stauraum zu verschwenden. In den schmalen Streifen vor der Küchenzeile möchte ich die Wassertanks unterbringen. Die Raumsparkanister haben eine Höhe von 26 cm und, wenn ich die Sitzhöhe verringern muss, passen die Tanks vermutlich nicht mehr hinein. Immerhin muss ich ja noch einen Frisch- und Abwasserschlauch in die Tanks führen. So langsam macht sich Ernüchterung breit. Ich merke wieder einmal, dass der Ausbau eines Micro-Campers eine große Herausforderung ist.

Zu guter letzt teste ich die Küchenablage. Wie kann ich diese Fläche von meiner Sitzbank aus mit den Händen erreichen? Die Antwort auf diese Frage gefällt mir leider überhaupt nicht. Die Küchenzeile ist soweit entfernt, dass ich mich regelrecht verrenken muss, um dort etwas schneiden oder bearbeiten zu können. Welchen Sinn hat dann eine so große Küchenzeile?

Aufgrund der langen Küchenzeile kann ich keinen Hochschrank bauen. Stauraum wird auf meinen Reisen auf jeden Fall ein sehr wichtiger Faktor sein. So ein Hochschrank hätte definitiv Vorteile. Allerdings möchte ich die geschlossene Wand nicht einfach vor eines der neuen Fenster bauen. Da muss es eine andere Lösung geben. Am Ende des Tages bin ich um einige Erkenntnisse reicher. Ich weiß jetzt, dass mein Ausbauplan zwar funktionieren würde, aber bei weitem nicht ausgereift ist.

Neue Motivation und neue Ideen

Am nächsten Morgen habe ich die Enttäuschung verdaut und den Kopf wieder frei für neue Ideen. Nach dem Frühstück schnappe ich mir eine Tasse Kaffee, ein Sitzpolster, einen Gliedermaßstab, Papier und einen Stift und setzte mich in das Heck von „Sir Henry“.  Die Ideen sprudeln jetzt nur so aus mir heraus und am Ende des Tages habe ich einen groben Entwurf für einen neuen Ausbauplan. Dieser sieht ein weiteres Fenster vor – dieses Mal allerdings auf der Fahrerseite.

Diese Idee werde ich jetzt erst einmal sacken lassen, werde sie mit Freunden besprechen und in Kürze wieder als Modell bauen. Dann beginnt die ganze Analyse wieder von vorne und diesmal hoffe ich, dass der Ausbau wesentlich raumeffektiver und praktischer wird. Ein Entwurf ist immer ein Prozess und es ist wichtig, aus den Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen.


Warum habe ich diesen Bericht geschrieben?

Genau aus diesem Grund habe ich auch diesen Bericht geschrieben. Der Blog dokumentiert den Ausbau von Anfang bis zum Ende. Manchmal entsteht bei den Berichten vielleicht der Eindruck, dass der Umbau immer reibungslos abläuft. Dies ist natürlich nicht der Fall und ich probiere immer wieder Dinge aus, bevor ich sie umsetzte. Dieser Bericht lässt ein wenig hinter die Kulissen von Endlos-Freisein blicken und zeigt, dass Scheitern ein ganz wichtiger Aspekt der Entwicklung ist. Eventuell stehst du demnächst selbst vor einem leeren Kastenwagen und merkst, dass dein Plan nicht auf Anhieb aufgeht. Dann hoffe ich, dass dieser Bericht dir Mut gibt, es als Chance zu sehen und es im zweiten Versuch besser zu machen.

4 thoughts on “Innenausbau – Ideen, Skizzen und Ernüchterung

  1. Hallo Nick,
    das liest sich spannend. Wir wollen unseren TD4 110 für unseren Trip ins eher regnerische Schottland auch lieber mit nem Innenschlafraum ausstatten als unser Dachzelt zu nehmen. Die Herausforderung: das Profil des Innenraums über den Radkästen, um dort eine Box einzubauen. Wie hast Du das Profil genommen? Die Konturenschablonen, die ich finde, sind dafür zu kurz.
    Danke für Deinen Rat sagt Heike

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