Defender – Küche mit Klapptisch

Der nächste große Schritt im Defender-Ausbau steht an. Diesmal geht es um die Küchenarbeitsplatte, die sogar mit einer (ganz) kleinen Spüle ausgestattet ist. In einer Schublade befindet sich der Tank für das Frischwasser. Reichlich Platz für die Küchenutensilien und Vorräte gibt es natürlich auch. Eines dieser Staufächer bietet noch eine weitere Funktion. Mit wenigen Handgriffen entsteht ein kleiner aber praktischer Tisch für den Innenraum. Das ging jetzt etwas zu schnell? Der folgende Bericht erläutert den Aufbau und die Funktion der Küchenzeile nochmal Schritt für Schritt.

Korpus für die Küchenzeile

Die erste Etappe beginnt mit dem Anfertigen der tragenden Bauteile für den Korpus des Küchenschranks. Von diesen Brettern wird später nicht mehr viel zu sehen sein, aber sie bilden das stabile und konstruktive Gerüst der Küchenzeile. Anhand der zu verbauenden Komponenten, wie z.B. der Frischwassertank, können wir die Abstände zwischen den einzelnen Trennwänden bestimmen. Im hinteren Bereich werden die Platten mit der Stichsäge an die geschwungene Karosserie angepasst. Die Basis und Grundlage des Möbelstücks bildet eine 10 mm starke Bodenplatte aus Pappelsperrholz, die mit der Verkleidung des Radkastens verschraubt wird. Nachdem alle Teile an die Karosserie angepasst sind, zeigt der erste Test im Fahrzeuginneren, dass die Zuschnitte gut passen.

Jetzt kann das Grundgerüst mit Ponal Holzleim* und Spax Schrauben zusammengebaut werden.  Die Hauptkonstruktion wird durch einen Regalboden unter der geplanten Position der Spüle sowie einer Rückwand im Bereich des Küchenstauraums ergänzt. Durch die hintere Begrenzung des Schranks wird vermieden, dass spitze Gegenstände die Isolierung beschädigen.

 Seitenwandverkleidung

Die Seitenwand auf der Beifahrerseite ist mit Filz bezogen. Bei der Rückwand der Küchenzeile ist Filz eher ungeeignet.
Wegen Spritzwasser von der Spüle oder im schlimmsten Fall sogar Fettspritzer vom Kochen ist hier eine andere Anforderung an die Oberfläche nötig. Letztendlich fällt die Entscheidung auf mehrere Lackier- und Schleifdurchgänge, welche das rohe Pappelsperrholz robuster und unempfindlicher gegen Feuchtigkeit werden lassen. Geschliffen wird wie immer mit 180er und 120er Schleifpapier. Das Lackieren erfolgt mit der Lackrolle und Treppen- und Parkettlack*. Die beiden Bauteile sind die Umrandung um das Seitenfenster und der kleine Teil neben der Hecktür. Um die Bauteile stabil ausführen zu können, ohne dabei unnötig Löcher in die Karosserie zu bohren, verbinden wir die beiden Verkleidungen bereits vor dem Einbau miteinander.

Im Fahrzeug wird lediglich das Teil neben der Hecktür mit der Karosserie verbunden. Die große dünne nur 6 mm starke Platte, welche das Fenster umfasst, wird durch die umliegenden Bauteile angedrückt. Diese Technik hat sich auf der anderen Seite des Defender bereits bewährt.

Schublade für den Wasserkanister

15 l Frischwasser! Das ist der Plan für die Wasserversorgung von „Sir Henry“ im Innenraum. In vielen Defender-Ausbauten werden die Raumsparkanister vor der Küchenzeile untergebracht und bilden die Verlängerung der Sitzbank bzw. der Liegefläche. Dadurch wird bei diesen Konzepten jedoch indirekt die Sitzhöhe auf der Bank durch die Höhe der Kanister bestimmt. Mit der daraus resultierenden Sitzhöhe könnte ich bei meiner Größe nur noch sehr schwer und unbequem im Fahrzeug sitzen. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach alternativen Wassertanks begeben. 

Fündig geworden bin ich bei einem extra flachen Universalwassertank** mit 15 Liter Fassungsvermögen. Dieser passt perfekt auf den Radkasten des Defender. Der Nachteil dieser Variante ist, dass die Auffüllung des Tanks von oben im eingebauten Zustand schwierig bis unmöglich ist. Die Lösung: Der Tank wird in einer Schublade untergebracht.

Die Seitenteile der Schublade werden im hinteren Bereich abgeschrägt um die Kollision mit der Karosserie zu verhindern. Für genügend Stabilität sorgen Vollauszüge mit 35 kg Tragkraft*. In einem kleinen Camper wie dem Defender muss jeder Raum und jede Fläche mindestens eine – aber im Optimalfall zwei Funktionen haben. Deshalb bekommt die Schublade noch einen Deckel. Dadurch kann sie als Abstellfläche genutzt werden. Durch Fräsen sowohl an den Seitenwänden der Schublade als auch am Deckel selbst, entsteht eine große und ebene Fläche.

Das Fach über der Schublade wird besonders für weiche Handtücher, Küchenrolle und weitere Spülutensilien genutzt werden, denn hier wird der „Bauch“ der Spüle hineinragen. Verschlossen wird dieser Stauraum mit einer Holzklappe, für die ich wieder die Gedotec-Scharniere* verwende.

Das unfreiwillige Öffnen des Verschlusses wird durch manuell verstellbare Magnetschnapper* verhindert. Diese Magnetschnapper kann ich mit gutem Gewissen empfehlen. Während bei herkömmlichen Magnetschnappern der Abstand von Magnet (im Staufach) zum Gegenstück (in der Klappe oder Schublade) ganz exakt stimmen muss, kann der Magnet bei diesen speziellen Verschlüssen nach der Montage einfach um fast 10 mm rein – und/oder raus gedreht werden. Aus diesem Grund habe ich bereits über 20 dieser Magnete im Defender verbaut.

Küchenarbeitsplatte mit (ganz) kleinem Spülbecken

An eine Küchenarbeitsplatte werden hohe Anforderungen gestellt. Sie muss robust, wärmebeständig, wasserfest und optisch ansprechend sein. Mit einem richtig behandelten massiven Holzbrett können diese Eigenschaften durchaus erreicht werden. Mir persönlich war allerdings das Gewicht ein Dorn im Auge und deshalb habe ich mich wieder nach Alternativen umgesehen. Fündig geworden bin ich bei Schreiner Robby in seiner Firma „Devodip“. Von einem früheren Auftrag der Schreinerei ist noch ein Stück einer Arbeitsplattenbeschichtung übrig. Dieses hauchdünne aber hoch robuste Material in Schiefer-Optik passt optisch sehr gut zum hellen Pappelsperrholz und dem grau-melierten Filz. 

Als Grundlage für die Küchenarbeitsplatte dient eine 18 mm starke Pappelsperrholzplatte, auf die das Material aufgezogen bzw. geleimt wird. Die Kante der Platte, die später in den Wohnraum von Sir Henry zeigen wird, ist bis zur Mitte in einem 45° Winkel eingeschnitten. Warum ? – Das erfahrt ihr im weiteren Verlauf des Berichts.  

Jetzt setzen wir erst mal die Spüle* (Mäusepool trifft es vermutlich eher) in die Arbeitsplatte ein. Nach gründlichem Messen und Anzeichnen, frisst sich die Stichsäge durch die Platte und schneidet ein rechteckiges Loch heraus. Die Spüle hat keine Schraubvorrichtung und wird deshalb mit einem „Kleb- und Dichtstoff auf Polymerbasis“* direkt eingeklebt. Wenn die Trockenzeit eingehalten wird, entsteht eine sehr stabile Verbindung.

Die Spüle* wird mit Klemmzwingen an der Arbeitsplatte befestigt und dadurch wird ein Verrutschen beim Trockenvorgang vermieden. Zu einer Spüle gehört allerdings auch eine Armatur und hier muss ich mal an die Hersteller von Ausbauartikeln appellieren: Das Design dieser Armaturen, besonders für kleine Reisemobile mit wenig Platz, ist wirklich sehr bescheiden! Die Entscheidung fiel am Ende zu Gunsten einer ganz einfachen und preiswerten Armatur, die im Farbton auf der Arbeitsplatte untergeht. Wenn ihr eine wirklich schöne und funktionale kleine Spülarmatur kennt, könnt ihr den Link dazu gerne in die Kommentare schreiben.    

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Stauraumklappe mit Tischfunktion

Aber was hat es jetzt eigentlich mit dieser 45° Grad Kante auf sich. Diese Schräge ist das Ergebnis einiger Simulationen. Das Ziel ist, die Frontverkleidung des Küchenschrankes nach oben klappen zu können, damit ein Tisch entsteht. Bis hierher klingt das alles eigentlich nicht so kompliziert oder? Allerdings habe ich den Anspruch, dass in geschlossenem Zustand die Platte bündig mit der Vorderkante der Küchenarbeitsplatte abschließt und in aufgeklapptem Zustand die Oberkante der Tischplatte genauso hoch ist, wie die Oberkante der Arbeitsplatte. Wer zwei Hölzer oder Bücher zur Hand hat, kann das gerne kurz selbst ausprobieren. Funktioniert irgendwie nicht …!?
Zu diesem Ergebnis bin ich auch gekommen. Letztendlich kam ich auf die Lösung: Beide Kanten auf Gehrung schneiden und auf der Innenseite zwei Klappenscharniere montieren. Damit die Kante exakt wird, schneidet Robby die Gehrung auf der großen Kreissäge.

Bevor die Tischplatte an die Arbeitsplatte geschraubt werden kann, muss eine Stauraumklappe in den Tisch gesägt und gefräst werden. Als Klappenscharniere verwende ich wieder die GedoTec – Scharniere*. Der Verschluss* (alternativ auch bei 4×4-Innenausbau*** erhältlich) ist diesmal etwas komplizierter, denn es gibt im Schrank keine Möglichkeit Magnete zu befestigen. Bei meiner Recherche bin ich auf einen Verschluss gestoßen, der gerne von professionellen Landy-Ausbauern verwendet wird. Nachdem ich diesen Verschluss in meine Platte eingebaut habe, weiß ich auch warum und kann die Profis verstehen. Das Teil ist simple, sehr stabil und einfach zu montieren.

Die Säge- und Bohrschablone wird mitgeliefert und muss lediglich an der gewünschten Position angebracht werden. Nachdem der Ausschnitt gesetzt ist, kann der Verschluss montiert werden. Eine Klammer auf der Rückseite klemmt das Schloss auf der Holzplatte fest. Dieser Verschluss bekommt von mir ganz klar „einen Daumen nach oben“. Ich werde sicher den einen oder anderen dieser Verschlüsse noch nachrüsten. Die Tischplatte mit Eingriff für den Schrank ist fertig und die Spaltmaße passen wirklich Millimeter-genau.

Während der Kleber für die Spüle trocknet, nutzen wir die Zeit, um die beiden Tisch-Klappscharniere sowohl auf der Unterseite der Arbeitsplatte als auch auf der Rückseite der Tischplatte anzuschrauben.

Jetzt kann der Küchenschrank im Fahrzeug montiert werden. Alle Ausschnitte und Aussparungen passen. Zum Schluss werden noch die Tischscharniere eingestellt. Diese können sowohl nach vorne und hinten, sowie zu beiden Seiten flexibel angepasst werden.

Für euch habe ich jetzt noch ein paar Bilder vom fertigen Zustand der Stauraumklappe mit gleichzeitiger Tischfunktion. Auf uns wartet jetzt die Arbeit für die Wasserversorgung und die Fortführung der Elektronik sowie der Bau des Hochschranks über der Küche.

An der optimalen Haltekonstruktion arbeite ich zur Zeit noch …
Zusätzliche Ablage- bzw. Abstellfläche …

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