Kanisterhalterung selber bauen

Vor einiger Zeit habe ich mir bereits die Airlineschienen seitlich auf das Hardtop genietet bzw. geklebt, wodurch ich meinen Stauraum um den Camper herum deutlich erweitern konnte. Diesen zusätzlichen Stauraum möchte ich unter anderem für eine Kanisterhalterung eines 20L Wasserkanisters nutzen.

Zum Bericht „Airlineschienen Defender 110 HT“

Die Suche nach der richtigen Kanisterhalterung führte mich dabei von einer einfachen Stahlplatte mit Öffnungen für Zurrgurte bis hin zu einer abschließbaren Variante welche mit einem Metallbügel für die Befestigung des Kanisters sorgt. Je länger ich das Internet nach der richtigen Lösung durchforstete, desto mehr kam der Gedanke auf: „Das kann ich doch eigentlich auch selber bauen…“!

Material und Umsetzung

Um die richtigen Maße ermitteln zu können, habe ich den passenden Kanister von Frontrunner* bestellt. Mit Skizzenblog, Stift und Geodreieck bewaffnet, sitze ich an einem verregneten Sonntag-Nachmittag in meinem Lieblingscafé.

Recht schnell fiel die Entscheidung für das Konstruktionsmaterial auf Aluminium, da dieses Material leicht ist, nicht rostet und notfalls auch selbst lackiert werden kann. Mit den richtigen Sägeblättern für die Stichsäge* lassen sich die Bauteile zuschneiden und mit Nieten* und Nietzange* können die Aluminiumteile zusammengefügt werden. Das Sortiment an Winkeln und gekanteten Elementen aus Aluminium ist schier unendlich, dabei finde ich sicher das richtige.

Was soll der Halter können?

Bevor ich den Halter entwerfen kann, muss ich die Frage klären: „Welche Funktionen soll er überhaupt haben?“.
Eine abschließbare Variante ist für meinen Wasserkanister unnötig, denn das Wasser hat praktisch keinen Wert und auch der Kanister selbst kostet kein Vermögen. Wäre der Halter aber für einen randvollen Dieselkanister*, ist ein Schloss in einigen Regionen eventuell sinnvoll. Dementsprechend wird meine Kanisterhalterung also nur einen Rahmen bilden, in dem der Kanister vernünftig fixiert ist. Die Sicherung erfolgt dann mithilfe von einfachen Spanngurten*, denn diese sind preiswert und lassen sich in kurzer Zeit lösen und wieder schließen um die Wasserkanister* nachfüllen zu können.

Der Entwurf / Skizze

Für den Kanister benötige ich zwei vertikale Verbindungen, die ich mit den Airlineschienen verschrauben kann. Dazu wähle ich Aluminium L-Winkel* mit den Abmessungen 30x50x3 mm. Die 30 mm lange Seite wird den Behälter zusätzlich seitlich stützen und dadurch ein Verrutschen beim Brems- bzw. Beschleunigungsvorgang verhindern.

Dieselben Winkel werden den Kanister auch oben und unten begrenzen, allerdings wird hier die 50mm lange Seite als Auflager bzw. obere Begrenzung dienen. In der Mitte steifen zwei 50×3 mm Bleche* die Konstruktion aus. Zusätzlich werden auf allen vier Seiten Langlöcher geschnitten, durch die später die Spanngurte verlaufen werden. Ich würde sagen, der Plan steht, jetzt wird gebastelt.

Messen, Markieren, Zuschneiden

Zuerst werden alle Aluminiumprofile mit der Stichsäge* auf die richtige Länge geschnitten und die Kanten mit der Metallfeile etwas abgerundet.

Anschließend werden die Positionen der Langlöcher für die Spanngurte festgelegt.

Philipp setzt an beiden Enden des geplanten Schlitzes eine Bohrung (M5), während ich parallel die beiden runden Bohrlöcher mit der Säge zu einem Schlitz verbinde.

Das Feilen* dieser Aussparung nimmt einige Zeit in Anspruch, da scharfe Kanten für die Spanngurte später gefährlich wären.

Ausrichten, Klemmen und Nieten vorbohren

Jetzt sind alle wichtigen Öffnungen vorbereitet. Im nächsten Schritt richten wir das Werkstück aus und klemmen es mit Klemmzwingen* am Tisch fest. Die Nieten werden später versetzt angeordnet. Damit sich der Bohrer im blanken Aluminium nicht verschieben kann, wird wie üblich bei Metallarbeiten mit dem Körner* und einem Hammerschlag die Position vorher markiert.

Die Aluminiumbauteile stückweise zu bohren und zusammen zu nieten hat sich als sinnvoll herausgestellt, da so die Bohrlöcher nicht verrutschen können.

Die Nieten mit der Nietzange setzen

Die Aluminiumnieten werden mit Hilfe einer Nietzange gesetzt. Die beiden unteren Nieten müssen von hinten in das Werkstück gebracht werden aufgrund der dahinter liegenden Airline Schienen.

Auf der austretenden Seite bildet die Niete eine kleine gepresste Kugel oder einen Wulst, der auf den Schienen aufsitzen würde und dann verhindert, dass sich die Kanisterhalterung sauber montieren lässt.

Die Nieten werden immer versetzt angeordnet, wodurch ich mir eine bessere Stabilität gegen Verdrehungen erhoffe.

Ausrichten und Befestigung am Fahrzeug

Das Gerüst des Halters ist fertig und jetzt muss die Position der Schraubfittinge der Zurrschienen festgelegt werden.

Das geht am Besten am Fahrzeug selbst. Mit Bleistift markieren wir uns die Mitte und die Höhe des Fittings, welcher in unserem Fall die Stärke M8 hat. Beim Bohren der Löcher gehen wir dieses Mal aufgrund der Stärke schrittweise vor (M4 – M6 – M8). Anschließend kann das neue Equipment erstmals am Fahrzeug testweise montiert werden.

Die Karosserie des Defender neigt sich im oberen Bereich immer weiter nach Innen und der steife Halter könnte beim Anziehen viel Kraft und Spannung auf das Blech übertragen. Um einer Verformung oder zu viel Spannung auf der Fensterscheibe entgegen zu wirken, bestücken wir die beiden oberen Fittinge mit einigen Edelstahl – Unterlagscheiben. Diese gleichen die Neigung etwas aus und sorgen damit für einen besseren Sitz.  Mit selbstsichernden Muttern* wird die Schraubverbindung zugezogen und es entsteht eine stabile Verbindung.

Doppelt hält besser 

Bei der Planung hatten wir auch an den Fall gedacht, dass die Nieten eventuell nachgeben könnten. Die Lösung für dieses unwahrscheinliche Problem, ist der untere Rahmen des Halters. Hier sitzt der gesamte Kanister mit seinen ca. 25 kg Gewicht auf und wenn sich die Nieten lösen sollten, halten die beiden unteren Fittinge das Auflager mit dem Rest des Gerüsts zusammen. Bevor diese beiden Verbindungen nachgeben, reißt es vermutlich zuerst die Zurrschienen aus dem Blech.

Aluminium lackieren – die richtige Vorbereitung ist alles

Für die Konstruktion der Kanisterhalterung habe ich bewusst Aluminium-Natur und nicht die eloxierte Variante gewählt. Aluminium selbst zuhause zu lackieren ist dennoch nicht ganz so einfach und erfordert vor allem eine gründliche Vorbereitung. Das Metall bildet eine natürliche Schutzschicht, welche zuerst abgetragen werden muss. Das geht am Besten mit Schleifpapier*. Ich verwende dabei verschiedene Körnungen, zuletzt gehe ich mit einer 1000er Körnung über das Werkstück.

Aluminium wird nass geschliffen, dass bedeutet immer etwas Wasser hinzufügen. Nach dem Schleifen muss der Halter gründlich entfettet werden, dazu eignet sich Verdünnung oder auch Waschbenzin*.

Schwarz lackieren

Bevor der eigentliche Schwarze Lack* aufgebracht wird, sprühen wir auf den Träger einen Aluminium-Haftgrund* auf.

Dieser muss in der Regel 24 Stunden trocknen. Anschließend kann der Kanisterhalter in jeder beliebigen Farbe lackiert werden. Wichtig dabei ist beim Sprühen immer mehrere dünne Schichten auflegen um Tropfnasen zu vermeiden.

Zum Abschluss empfiehlt sich eine Schicht Klarlack*.

Montage am Fahrzeug und Test auf Kroatiens Schotterpisten

Jetzt ist der Träger endlich bereit um fest am Fahrzeug montiert zu werden. Experten Tipp: „Vorher nochmal die Fenster putzen…“.

Die Teile auf der Rückseite des Kunststoffkanisters, welche auf dem Aluminium des Halters sitzen, habe ich mit einem Moosgummi* beklebt um die Wucht von Stößen und mögliches Klappern einzudämmen.

Der gefüllte Frontrunnerkanister* wird in den Träger gesetzt und mit den Spanngurten* festgezogen. Das geht in wenigen Minuten und hält sehr gut.

Nach vielen Kilometern auf Kroatiens Schotterpisten, hat die selbstgebaute Kanisterhalterung gezeigt, dass sie sehr stabil ist und mittlerweile habe ich bereits eine Weitere an meinen Defender angebracht.

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