Defender Jungfernfahrt – Teil 2

Ein Sonnenuntergang aus dem Defender Camper am Pass Pordoi.

Nach der schönen Wanderung am und um den Platt- und Langkofel bin ich auch gefühlsmäßig in den Dolomiten angekommen. Die lange und warme Dusche auf dem gut ausgestatteten Campingplatz in „Campitello di Fassa“ fühlte sich an wie Luxus, im Vergleich zum Minimalismus an den Tagen zuvor. Es ist interessant wie sich das Empfinden von Genuss mit der Perspektive und den Umständen verändert. 

Das Örtchen Arabba als Startpunkt

Ganz früh am heutigen Morgen sitze ich allerdings schon wieder am Lenkrad und quäle den Defender über den Pass Pordoi. Auf der anderen Seite des Berges liegt im Tal das Örtchen Arabba. Hier wird meine zweite Wanderung starten. Mit der aufgehenden Sonne im Rücken beginnt der Anstieg zum soeben mit dem Geländewagen überquerten Pass Pordoi. Ich hätte natürlich auch direkt auf dem Pass die Wanderung beginnen können, die knackigen Höhenmeter am Morgen wollte ich mir allerdings nicht entgehen lassen.

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Eine pelzige Begegnung

Diese Entscheidung wird nach einer Stunde am Anstieg bereits belohnt. Schon als Kind war ich mit meinen Eltern viel in den Bergen wandern und habe immer wieder das Pfeifen der Murmeltiere vernommen, gesehen habe ich die kleinen, scheuen Tiere allerdings nie. Das sollte sich nun ändern. Nur wenige Meter neben dem Weg steht ein Murmeltier am Ausgang seiner Höhle, mit geschlossenen Augen und gestrecktem Oberkörper genießt das putzige Kerlchen ein ausgiebiges Bad in der wärmenden Morgensonne. Vorsichtig zücke ich die Handykamera und schleiche mich an den pelzigen Kamerad heran.

Kurz bevor er mich bemerkt und laut pfeifend in seine Höhle flüchtet, gelingt mir ein Schnappschuss meiner ersten Begegnung mit einem Murmeltier. Dass ich an diesem besonderen Tag noch weitere Murmeltiere sehen sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen.

Frühstück in der Wiese

Mittlerweile ist die Sonne vollständig aufgegangen und ich habe bereits mehr als die Hälfte des Anstiegs geschafft. Beim Frühstück in der Wiese genieße ich den Ausblick auf den zurückgelegten Weg und das Bergpanorama, welches am Horizont den Abschluss mit dem strahlend blauen Himmel bildet.

Oben auf dem Pass Pordoi herrscht bereits buntes Treiben, knatternde Motorräder, glänzende Sportwagen und viele Wanderer nutzen diesen schönen Ort für Ausflüge oder als Startpunkt für die Tagestour. Ich erinnere mich an das vergangene Jahr, als ich hier ganz früh in den Morgenstunden fast alleine den Anstieg zum Piz Boe begonnen habe.

Schön, schöner, Bindelweg

Heute geht es allerdings nicht auf den Gipfel sondern auf den Bindelweg. Dieser beginnt gegenüber der Seilbahnstation und führt über einige Hütten auf die Rückseite des Berges.

Jetzt zeigt sich das Besondere dieses Weges – der Blick auf den Marmolata Gletscher. Der schneebedeckte Gipfel spiegelt das Sonnenlicht und in der Ferne entdecke ich eine Seilschaft mit bunten Jacken, die sich durch das Eisfeld Richtung Bergspitze bewegt.

Der Bindelweg ist viel begangen, auf der langen Strecke verteilen sich die Wanderer allerdings recht gut. An der nächsten Hütte gönne ich mir eine eiskalte Cola, nach dem schweißtreibenden Anstieg heute Morgen ist das jetzt genau das Richtige.

Ein Sitzplatz ist leider nicht frei, das ist aber auch nicht weiter tragisch, denn vorne an der Bergspitze fernab vom Stimmengewirr und dem klappernden Besteck auf Porzellan, schmeckt das erfrischende Kaltgetränk sowieso am Besten.

Nach der Erfrischung verlasse ich den „Bindelweg“ für eine Weile, um einem schmalen Pfad auf den Berggrat zu folgen. Ich erhoffe mir einen Blick auf den dahinter liegenden Piz Boe. Der Pfad entwickelt sich zu einer kleinen Kletterpartie, bei der auch mal die Hände zum Einsatz kommen.

Oben angekommen werde ich fündig, die schroffen Felsen des Piz Boe ragen durch eine kleine Wolke hervor. Die Spitze ist in weiß gehüllt, was der sinkenden Schneefallgrenze der letzten Tage zuzuschreiben ist.

Mein kleiner Umweg führt mich wieder Richtung Bindelweg, allerdings ist diese Seite noch steiler und es ist ganzer Körpereinsatz gefragt. Dafür bin ich hier ganz alleine und der vor mir liegende Bergrücken gibt Stück für Stück den Blick auf den strahlend blau schimmernden Fedaia-Stausee am Fuße des Geröllfelds der Marmolata frei.

Oben der strahlend blaue Himmel mit vereinzelten Wolken, rechts die grauen Felsen der Marmolata, vor mir der blau schimmernde Fedaia – Stausee und um mich herum die saftig grünen Wiesen der Alpen, was ein atemberaubender Anblick.

Es pfeift überall

Je weiter ich dem Weg folge, desto weniger Wanderer treffe ich, bis ich letztendlich kurz vor dem Abstieg nach Arabba alleine meine Wanderschuhe* in den steinigen Untergrund setze. Um mich herum liegen große Felsbrocken in den Wiesen. Plötzlich vernehme ich ein Pfeifen und dann gleich noch weitere Pfiffe.  Als ich nach links schaue, sehe ich eine ganze Murmeltier – Familie auf einem großen Felsen sitzen.

Wer findet die pelzigen Murmeltiere ?

Die aufmerksamen Tiere haben mein Eintreffen bemerkt und durch das Geräusch warnen sie sich gegenseitig. Gefühlt pfeift es jetzt aus allen Richtungen und tatsächlich sind überall um mich herum Murmeltiere.

Die pelzigen Bergfreunde scheinen sich auf den nahenden Winter vorzubereiten. Zumindest haben die meisten von ihnen nicht mehr die Bikini-Figur des Frühlings und die Flucht in die Höhle erfolgt eher gemächlich als im Eiltempo. Ich nutze die Trägheit der Nagetiere vor dem bevorstehenden Winterschlaf um sie vor die Linse zu bekommen.

Der Abstieg nach Arabba ist dann fast eine Qual, da der Weg über eine steile Skipiste verläuft. Die Gelenke machen sich nach 8 Stunden in den Bergschuhen bei jedem Schritt bemerkbar und ich bin froh, als ich kurz vor dem Ende der Piste meinen blauen Blechkasten mit weißem Dach auf dem Parkplatz entdecke.

Nachtlager auf dem Pass

Vergangenes Jahr habe ich nach der Rückkehr vom Piz Boe am Parkplatz des Pass Pordoi an meinem Kangoo-Camper noch einen Kaffee getrunken und meinen Blick über die Dolomiten schweifen lassen.

Ich hätte damals gerne dort oben genächtigt, aber die Temperaturen sollten in jener Nacht unter den Gefrierpunkt fallen und deshalb hatte ich mich damals für die Abfahrt ins Tal entschieden. Heute mit dem Defender Sir Henry ist die Situation anders.

Reisemobil Defender Geländewagen

Durch die Webasto Standheizung* mit Höhenkit, kann ich mir den Traum, hier oben am Pass auf über 2.200m zu schlafen, erfüllen. Im Laufe des Abends gesellen sich noch einige größere, gut ausgestattete Reisemobile dazu. Eines haben diese großen Reisemobile allerdings nicht und so können sich die meisten Camper-Freunde einen freundlichen Kommentar zu meinem Abendessen auf der Dachterrasse meines Defender-Campers nicht verkneifen. Mit dem Ausblick auf den Sella Pass und den Sonnenuntergang am Horizont schmeckt der Südtiroler Schinken besonders gut.

Nachdem die Sonne hinter dem Berg verschwunden ist und den Himmel in ein Gemälde aus sanften Farben verwandelt hat, fällt die Temperatur schlagartig ab und ich ziehe mich in mein mobiles Eigenheim zurück.

Mit dem Ausblick aus dem Fenster, dem wohnlichen Holz des Ausbaus und der wärmenden Standheizung fühle ich mich ein bisschen wie in einer kleinen urigen Berghütte.

Aufwachen auf Wolke 7

Am nächsten Morgen schlafe ich länger als geplant und als ich die Gardine zur Seite schiebe, sind die ersten Sonnenstrahlen bereits auf den Bergen zu sehen. Eingekuschelt in den Schlafsack öffne ich die Hecktür des Defender und lasse die kühle Morgenluft herein. Eine dicke Nebelschicht liegt über dem Tal, lediglich die höheren Berge ragen hindurch.

Ich erwische mich dabei, wie ich in Gedanken über die dichte Nebelfläche hinüber zum Sella-Joch laufe. Der Gedanke ist zwar völlig absurd, aber die Vorstellung wie es wohl wäre auf dem weichen kühlen Untergrund das Tal zu überqueren, ist irgendwie lustig und faszinierend. Begleitet durch die Bilder in meiner Phantasie stehe ich mit einem Lächeln am Morgen auf und koche mir auf dem Gaskocher* einen wärmenden Kaffee.

Die Reise geht weiter

Am liebsten würde ich noch einige Tage hier in und um Canazei  verbringen, aber ich bin auch gespannt darauf, welche Orte, Landschaften und Erfahrungen auf der weiteren Reise auf mich warten. Im Laufe des Vormittags breche ich deshalb meine „Zelte“ am Pass Pordoi ab und fahre durch die Dolomiten nach Osten. Die Berge verlieren langsam an Höhe und am Straßenrand stehen wieder deutlich mehr Bäume. Nachdem ich einen kleinen Pass überquert habe, wandelt sich das Bild plötzlich. Die Bäume liegen abgeknickt von einer Urgewalt, die nur schwer vorzustellen ist! Es sind keine einzelnen Bäume, sondern ganze Wälder und Berghänge, an denen der Baumbestand wie Streichhölzer umgeknickt ist.

Am Ende der Passstraße liegt der Lago di Alleghe, hier halte ich kurz an und informiere mich über die Verwüstung. Das schwere Unwetter, was Nord-Italien 2018 getroffen hat, ist für dieses apokalyptische Landschafsbild verantwortlich. Die beeindruckenden Bilder dieser zerstörten Landschaft begleiten mich auf der Weiterfahrt, in diesem Ausmaß habe ich Sturmschäden noch nie gesehen. 

Kilometer durch die Ebene

Um auf der Reise nach Osten etwas schneller vorwärts zu kommen, verlasse ich die bergige Landschaft und fahre in der Ebene durch Belluno Richtung Udine. Auf Google-Maps sind immer wieder große Seen eingezeichnet, die um diese Jahreszeit allerdings nur aus einem großen Kiesbett bestehen. Die Region ist durch Landwirtschaft und im Großraum Udine von Industrie geprägt. Als sich die Sonne im Rückspiegel immer mehr dem Horizont nähert, wird es Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Die Region hier wirkt auf mich nicht so einladend zum „Freistehen“  und ich entscheide mich links abzubiegen und einer Straße zurück in bergigere Gefilde zu folgen. Auf Google Maps ist in einigen Kilometern ein großer Stausee der „Lago di Redona“ eingezeichnet, an dem ich mir ein idyllischen und ruhigen Stellplatz erhoffe – es kommt allerdings ganz anders.

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Das Atlantis Nord-Italiens

Die Straße wird immer schmaler und enger. Auf der Beifahrerseite stehen bedrohliche Felsüberhänge hervor und dann taucht der See endlich auf oder besser das, was von ihm übrig ist. Zuerst führt die Straße an der Staumauer vorbei und dann um das steile, trockene Kiesbett herum. Hier war wahrscheinlich ein See, aber es fehlt das Wasser.

roadtrip

Als ich einige Hotels am anderen Ufer hoch über dem Wasserpegel entdecke, kommen die Gedanken an die Unwetterkatastrophe von heute morgen wieder zurück. Diesmal ist die Situation allerdings anders, der Stausee ist künstlich angelegt und dient der Bewässerung der Landwirtschaft in der weiten Ebene am Fuß des Gebirges. In besonders heißen Sommern kann es vorkommen, dass der See fast komplett abgelassen wird. Auf den nächsten Metern meiner Weiterfahrt erstreckt sich ein kurioser Anblick: Was ist denn das – frage ich mich, als ich auf den etwa 20m tieferen Grund des Sees starre. Im seichten Wasser erkenne ich die Mauern alter Häuser.

Das weckt meine Neugier und im Internet finde ich nur wenig Information über die mysteriösen Ruinen. Ein Bericht in einer italienischen Zeitung bringt dann Licht ins Dunkle. Als der Stausee erbaut wurde, mussten die stolzen Bewohner des Dorfes „Movada“ ihre Häuser verlassen und ihr Zuhause fiel dem wirtschaftlichen Interesse zum Opfer. Die Ruinen werden wohl nur in extrem heißen Sommern sichtbar und dann wird das versunkene Dorf „Movada“ ein Anziehungspunkt für „Lost-Places-Fans“ in Italien. Außerhalb der Landesgrenzen scheint der mystische Ort über den es auch eine Sage gibt nicht so bekannt zu sein. Für Interessierte verlinke ich hier* nochmal den Bericht der italienischen Zeitung.

Einsamkeit, Ruhe und Entspannung

Für mein Nachtlager ist dieser Ort jedenfalls nicht geeignet. Auf der Karte ist einige Kilometer weiter eine „Freizeit und Picknick – Area“ eingezeichnet, die sogar mit drei Wohnmobilstellplätze ausgestattet ist. Beim Eintreffen packen gerade ein paar Einheimische den Grill in den Kofferraum und dann kehrt Ruhe ein.

Der Stellplatz ist gefühlt im Nirgendwo und nur ganz selten rollt ein Auto vorbei. Nach den gesammelten Eindrücken, den Naturgewalten, dem mystischen Ort und der Abgelegenheit hier draußen, schlafe ich heute deutlich schlechter und mit einem mulmigen Gefühl ein.

Der Morgen zeigt die Schönheit des Ortes

Am nächsten Morgen scheint die Sonne in das Tal und ich verweile auf den Sitzbänken für ein ausgiebiges Frühstück und um ein bisschen zu arbeiten. Das angrenzende Flussbett war mir gestern gar nicht aufgefallen, mit der Hängebrücke, dem aufsteigendem Nebel und den Farben wirkt dieser Anblick wie ein Gemälde.

Ursprünglich wollte ich heute morgen direkt weiterfahren, aber spätestens nach dem ich unten am eiskalten Fluss war, um mich ein bisschen zu erfrischen, habe ich diesen Gedanken verworfen.

Das Wasser ist so klar und schimmernd, dass ich mich kurzerhand entschließe, diesen Bachlauf mit dem Bergpanorama im Hintergrund zu meiner Badewanne umzufunktionieren.

Nach dem erfrischenden Bad wärme ich mich auf den großen Felsen am Ufer auf und in mir brodeln die Glückgefühle. Vielleicht liegt es an der Geborgenheit, welche die wärmenden Strahlen der Sonne vermitteln oder es ist die Freiheit und der Minimalismus hier draußen. Stundenlang sitze ich abwechselnd im Bachlauf oder auf den Felsen und die Zeit verfliegt.

Ich entscheide mich schweren Herzens am Nachmittag zur Weiterreise, denn die nächste Landesgrenze wartet auf Sir Henry.

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