Defender – Sir Henry

Lernen durch Erfahrungen

Seit über einem Jahr bin ich häufig mit „Ruby“, meinem zum Micro-Camper ausgebauten Renault Kangoo, in Europa unterwegs. Ich nutze jedes lange Wochenende und jeden Brückentag, um raus in die Natur zu kommen und dem Alltag zu entfliehen. Seit einiger Zeit, gefällt mir das „frei Stehen“ immer besser. Die Möglichkeit stehen zu bleiben, wann und wo ich möchte, gibt mir ein Gefühl von Freiheit.

Dazu trägt auch das minimalistische Leben bei, welches ich aufgrund des funktionalen Ausbaus auf meinen Reisen führe. Leider muss ich momentan recht häufig Campingplätze oder Einkaufsmärkte anfahren, um meine Vorräte aufzufrischen, meine elektronischen Geräte zu laden oder frische Lebensmittel für das Abendessen zu kaufen. Je länger die Intervalle zwischen diesen Stopps sind, desto stärker wird das Gefühl frei zu sein.

Der kleine rote Renault ermöglicht es mir aufgrund seiner PKW Abmessungen gut getarnt auf den meisten Parkplätzen nächtigen zu können. Aber die Freiheit mit dem Renault Kangoo endet dort, wo die Straße zu einer rauen Schotterpiste wird. Was befindet sich am Ende der Piste? Vielleicht ein schöner Ausblick ins Tal oder ein Stellplatz umgeben von Bäumen mit Limonen? Kann ich morgens aufstehen und mit ein paar Schritten durch den Sand ins Meer eintauchen?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich mich entschieden „Ruby“ einen „großen Bruder“ zur Seite zu stellen. Dieser soll es mir ermöglichen, diese Wege zu befahren und längere Zeit autark an den traumhaften Orten zu verweilen. Im November 2017 war es dann endlich soweit. Ich habe ein Gefährt gefunden, welches die positiven Eigenschaften von „Ruby“ und meine Wünsche nach endloser Freiheit vereint:

Probefahrt

Früh am Morgen steige ich ins Auto und fahre auf die Autobahn in Richtung Leipzig. Dort habe ich einen Termin mit einem Autohaus, welches einen Land Rover Defender 110 HT im Angebot hat. Als ich auf den Hof fahre, entdecke ich den blauen Defender mit weißem Dach. Auf den ersten Blick macht er einen guten Eindruck. Auf der Hebebühne zeigt er dann doch einige Mängel, die sich aber mit überschaubarem finanziellen Aufwand beheben lassen. 

Ich setze mich hinter das Steuer und merke sofort: Viel Platz ist hier vorne nicht. An die Sitzposition muss ich mich erstmal gewöhnen. Bisher hatte ich nur die „Station WagonVariante Probe gefahren und dort konnte ich den Sitz deutlich weiter nach hinten stellen. Eingeklemmt zwischen Sitz und Lenkrad versuche ich den Schlüssel ins Zündschloss zu stecken. Nach ein paar Sekunden stochern erinnere ich mich daran, dass das Zündschloss beim Defender auf der linken Seite ist. Ich drehe den Schlüssel, lasse den Motor vorglühen und der 120 PS starke Diesel springt ruckelnd an. Langsam die Kupplung kommen lassen, etwas Gas geben und das Schwergewicht setzt sich in Bewegung. Die Lenkung und der Wendekreis erinnern an ein Tretboot bei starkem Seegang. Ich drehe eine Runde durch die Ortschaft und werde auf der offenen Landstraße von einem Motorroller überholt. An der Kreuzung trete ich recht spät auf die Bremse, im Rückspiegel des Vordermanns kann ich die Angst in seinen Augen sehen. Der Defender kommt rechtzeitig zum Stehen. Die Bremsen müssen wir nochmal überprüfen. Der Motor läuft gleichmäßig, keine befremdlichen Geräusche, außer dass es an der Tür ziemlich herein zieht. Zurück im Autohaus werde ich schon vom Besitzer empfangen. Nach einem netten Gespräch und einer Tasse Kaffee einigen wir uns auch finanziell. Ich lasse mir das Auto bis zum Montag reservieren. Noch ein Wochenende zum Nachdenken schützt vor emotionalen oder euphorischen Entscheidungen. Am Montag ist die Entscheidung klar, ich nehme den Defender. Vernünftig ist dieser Entschluss nicht, droht doch demnächst das Dieselfahrverbot und der Spritverbrauch des 2,0 Tonnen Kolosses ist auch nicht gerade niedrig. Aber der blaue Aluminiumkasten mit seinem weißen Dach hat es mir angetan und so siegt die Leidenschaft über die Vernunft.

In den folgenden Monaten werde ich den Defender zum „Endlos-Freisein-Mobil“ umbauen. Den Fortschritt des Umbaus kannst du hier verfolgen.

Wenn du wissen möchtest, welche Materialien und Werkzeuge ich beim Umbau verwendet habe, dann findest du die entsprechenden Links im Umbaukatalog.

Viel Spaß beim Stöbern!

Fahrzeugdaten

Marke                                    Land Rover
Modell                                   Defender TD4
Karosserieform:                    110 Hardtop
Baujahr:                                2008
Kilometerstand:                    62.000 km
Leistung:                              120 PS
Tempo max.:                        130 km/h

Leergewicht:                         1920 kg
max. Zuladung:                     1130 kg
zul. Gesamtgewicht:             3050 kg
Anhängelast:                         3500 kg
Antrieb:                                 Allrad (4×4)