Innenausbau – Sitzbank Teil 2

Seit letzter Woche ist es möglich im Defender zu sitzen! Die erste Sitzbank in Fahrtrichtung verlaufend wurde fertiggestellt. Na gut, in den Hohlräumen fehlen zwar noch die Schubladen, aber zum Sitzen sind diese allerdings nicht zwingend nötig. 

Damit ist das Thema „Sitzen im Defender“ jedoch noch lange nicht abgehakt. Der Grundriss sieht eine L-förmige Sitzfläche vor. Das bedeutet, wir haben noch eine zweite Box, die quer zur Fahrtrichtung hinter dem Führerhaus angeordnet ist. 

Im Bauch der zweiten Kiste wird zusätzlicher Stauraum entstehen, der im Vergleich zur ersten Sitzbank nicht durch Schubladen, sondern durch eine Klappe von oben zugänglich sein wird. Direkt hinter der Trennwand von Führerhaus und Ladefläche haben wir die Standheizung verbaut. Das muss im neuen Möbelstück berücksichtigt werden.

Die Aufgabe für’s Wochenende ist klar, packen wir es an!

Zuerst führt der Weg wieder zum Schreiner: Die einzelnen Bauteile der Bank haben wir gemessen und geplant und jetzt benötigen wir exakte Zuschnitte. 

Robby, der Holzfachmann mit Leidenschaft für Campingausbauprojekte, hat sich Zeit genommen und zusammen sägen wir die Bauteile zu. 

Ich habe bei meinem ersten Camperausbau die Klappen der Boxen immer bündig mit den Außenwänden abschließen lassen. Das ist der einfachste und vermutlich auch stabilste Weg, eine Box von oben zugänglich zu machen. Alle vier Seiten des Deckels liegen auf den Holzwänden auf und über diese werden die Lasten gleichmäßig abgetragen. Doch auf meinen Reisen in den letzten zwei Jahren hat sich das Holz an einigen Stellen leicht verzogen und die Boxen schließen nicht mehr sauber.

Bei diesem Ausbau möchte ich deshalb eine andere Variante ausprobieren.

In der späteren Sitzfläche schneiden wir ein größeres Rechteck heraus, welches der Zugang zum Stauraum in der Box wird. Kurz bevor wir loslegen, frage ich mich, wie Robby den Ausschnitt mit der großen Kreissäge herstellen will.

Wenn ich diese Arbeit zu Hause durchführe, bohre ich an allen Ecken Löcher und verbinde diese mit der Stichsäge. Wie aber kommt das große Sägeblatt mitten in die Holzplatte? Der erfahrene Schreiner erklärt mir, dass diese Technik „Einsatz sägen mit der Kreissäge“ heißt. Dabei dreht er das Sägeblatt ganz weit nach unten und taucht dann stückweise durch das Holz nach oben. Kurz vor den Ecken stoppt die Säge. Die letzten Millimeter müssen mit der Hand gesägt werden. 

So akkurat hätte ich das mit der Stichsäge trotz Anschlag nicht hinbekommen. Ich bin begeistert. 

Der Deckel der Box

Passend zum Ausschnitt in der Sitzfläche fertigen wir eine weitere Holzplatte, die als Deckel fungieren wird. Wir sägen diese Platte an allen Seiten 12 mm breiter als die vorhandene Öffnung. Der Grund dafür erklärt sich im nächsten Arbeitsschritt. Mit der Oberfräse* fräsen wir auf der Oberseite der Sitzfläche, rund um die Öffnung, 9 mm tief und 15 mm breit Material weg. Mit dem Deckel verfahren wir auf die gleiche Weise. Beide Bauteile sind aus 18 mm starkem Pappelsperrholz gefertigt.

Bei der „Anprobe“ passt der Deckel exakt in die Öffnung und liegt auf dem 9 mm dicken Überstand auf. Rund herum entsteht ein Spalt von 2-3 mm.

Gewicht sparen und Durchlüftung

Im nächsten Schritt spannen wir die Sitzfläche und den Deckel mit Schraubzwingen ein und setzen wieder den 25 mm „Forstner-Bohrer“* an. Wir durchlöchern beide Bauteile und sparen dadurch wieder einiges an Gewicht ein. Die Standheizung wird zusätzlich durch die letzte Reihe der Öffnungen mit Luft versorgt.

Während Philipp fleißig Löcher bohrt, leime und schraube ich bereits den restlichen Korpus des zweiten Möbelteils im Defender zusammen. Nachdem wir beide unsere Aufgaben erledigt haben, muss das Werkstück wieder mehrmals mit dem Schwingschleifer geschliffen und mit Parkett-Lack und Lackrolle lackiert werden.

Herausforderung Klappenscharniere

Am nächsten Tag ist das Möbelelement bereit zur weiteren Bearbeitung. Die Scharniere für die Klappe müssen angebracht werden. Ich habe mir dafür hochwertige Scharniere* bestellt, welche in der Sitzfläche versenkt werden und somit nicht nach oben aufbauen.

Der Einbau ist allerdings alles andere als einfach und ich hoffe, dass ich das Werkstück nicht „auf den letzten Metern“ noch verschandele.

Um sicher zu gehen, übe ich zuerst mit Holzresten. Am Ende hat sich folgende Technik als zielführend herausgestellt.

Nach dem genauen Anzeichnen bohre ich mit dem „Forstner-Bohrer d=30 mm“ ein 2 mm tiefes Loch. Dazu muss die Bohrmaschine in den Standbohrer eingespannt und ein Anschlag in der entsprechenden Höhe eingestellt werden. Danach kommt ein scharfes Teppichmesser zum Einsatz, um das kurze gerade Stück herauszuarbeiten. Im letzten Schritt entferne ich die vordere Kante der Aussparung. Als ich das Scharnier in die Öffnung lege, passt alles und ich bin sehr erleichtert.

Bevor der Deckel angeschraubt werden kann, möchte ich, dass die Fuge um den Deckel herum an allen Seiten in etwa gleichermaßen breit ist. Den Abstand stelle ich durch 3 mm starke Kartonstücke her. Jetzt werden die Scharniere noch angeschraubt.

Einbau und Test

Der Test zeigt, dass das Öffnen und Schließen problemlos möglich ist. Ich bin zufrieden und kann aufatmen.

Noch ist das Möbelteil nicht ganz fertig, denn wir müssen noch die Aussparung für den Luftauslass der Standheizung im Fußraum bohren. Mit einem Dosenbohrer arbeiten wir uns durch das Holz.

Abschließend stellen wir das Möbelstück in den Defender und sind froh, dass alles passt. Die Arbeiten an den Sitzflächen sind damit abgeschlossen. Es ist genug Platz vorhanden, um entspannt zu zweit auf diesem kleinen Raum sitzen zu können.

Das erste Etappenziel ist erreicht. Die nächsten Bauteile dürften aufgrund der Karosserieform deutlich schwieriger werden. Es geht also spannend weiter.

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