Rostschutz für die Karosserie

Die Karosserie des Defender ist zum größten Teil aus Aluminium gefertigt. Das Material Aluminium an sich neigt eigentlich nicht zum Rosten. Allerdings ist die Kombination von Aluminium und Stahl eine sehr rostfördernde Kombination. Wenn die beiden Materialien aufeinandertreffen, entsteht oftmals „Kontaktkorrosion“. Ein Beispiel dafür findet ihr in einem meiner ersten Berichte, als ich die Bodenbleche ausgebaut habe. Hier hat die Kontaktkorrosion die Schraubenlöcher im Aluminiumblech regelrecht ausgefressen.

Die Kontaktkorrosion am Defender ist schwer zu bekämpfen. Das liegt vor allem daran, dass die betroffenen Stellen schwer zugänglich sind (aufeinandertreffende Bauteile oder doppelte Bleche). Machbar ist natürlich alles, allerdings muss sich der Aufwand mit dem Ziel vereinbaren lassen. Den Defender in seine Module zu zerlegen, ist für mich deshalb keine Option.

Ganz wehrlos gegen den Rost sind wir allerdings nicht. Es gibt durchaus einige Punkte an denen wir schnell und gezielt eine Konservierung durchführen können. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Bewaffnet mit einem Schraubenzieher, einem Schraubenschlüssel und einigen Dosen Fluid Film (mit Hohlraumsonde)* werde ich die Karosserie bearbeiten. Beginnen werde ich an der Hecktür des Fahrzeugs und mich über den Innenraum an die beiden vorderen Türen und letztendlich zur Spritzwand vorarbeiten.

Hecktürverkleidung abnehmen

Die Verkleidung der Hecktür ist sehr einfach zu entfernen. Zuerst muss der Haltegriff (1) abschraubt werden. Dieser ist mit zwei Schrauben befestigt. Anschließend wird die kleine Plastikscheibe (2) hinter dem „Türöffner“ entfernt. Ich habe dazu einen Schraubenzieher genommen. Wer keine Kratzer oder Macken in seiner Kunststoffverkleidung riskieren möchte, sollte sich spezielle Kunststoffwerkzeuge besorgen.


Der letzte Schritt ist der einzige, der etwas komplizierter ist. Die Kunststoffverkleidung ist mit Plastikdübeln an der Karosserie befestigt. Diese Dübel brechen beim Ausbau gerne ab. Wer also auf Nummer sicher gehen will, der sollte sich vorab einige dieser Dübel als Ersatz bestellen. Ich habe gezielt in der Nähe der Dübel gerade und ruckartig gezogen. Am gesamten Defender sind mir zwei Dübel abgebrochen. Ich denke das ist verkraftbar. Die Verkleidung hält auch ohne diese beiden Dübel einwandfrei.

Paukenschläge beim Überfahren von Bodenwellen

Wenn die Türverkleidung abgenommen ist, sieht man links unten das innenliegende Türscharnier (1), in der Mitte oben den Scheibenwischermotor (2) (zumindest beim TD4) und die dazugehörige Sicherung. Bevor wir die Hohlräume bearbeiten schaue ich mir das Türscharnier genauer an.

Ich bin schon lange auf der Suche nach einem laut schlagenden Geräusch aus dem Bereich der Hecktür, das beim Überfahren von Bodenwellen auftritt. Tatsächlich fehlt bei diesem Scharnier eine Schraube und es hat deutlich zu viel Spiel. Beim Rütteltest schlägt das Scharnier auf die Halterung. Diese ist wiederum mit dem Blech des Radkastens verschraubt. Scheinbar überträgt sich das Geräusch auf das Blech des Radkastens und durch die Schwingungen wird es um ein Vielfaches lauter als es eigentlich ist.

Die fehlende Schraube finde ich übrigens in der Türverkleidung. Nachdem ich alles festgezogen habe, starte ich den Defender und fahre ein paar Kilometer auf der Suche nach einer Bodenwelle. Die Suche gestaltet sich gar nicht so einfach und deshalb biege ich irgendwann auf einen Feldweg ab. Hier rumpelt es ordentlich im Defender, aber der gefürchtete Paukenschlag bleibt aus. Ganz verschwunden ist das unangenehme Geräusch nicht, die Situation ist aber deutlich verbessert. Ich bin froh, endlich die Ursache gefunden zu haben und erleichtert, dass es kein gravierender Schaden ist. Trotzdem werde ich über einen externen Reserveradhalter nachdenken, denn ich befürchte auch, dass das Reserverad an der Hecktür seinen Anteil zum Verschleiß dieses Bauteils beiträgt.

Hecktür Hohlraumkonservierung

Nach dieser kurzen Exkursion zur Geräuschbekämpfung widmen wir uns jetzt dem Versiegeln der Hohlräume. Die Hecktür bietet bereits viele Öffnungen, in die wir unsere Hohlraumsonde einführen können. Die Türen rosten besonders gerne im unteren Bereich, da dort immer wieder Wasser stehen bleibt. Meine Türen sehen zu meiner Freude relativ gut aus. Ich schiebe die Sonde einmal in alle Öffnungen und alle Richtungen und ziehe sie immer schön langsam mit gedrücktem Abzug heraus.

Es dauert nicht lange und das  Fluid Film*  findet unten links und rechts einen Ausgang und tropft heraus. Das ist ein gutes Zeichen.

Innenraum Ladefläche konservieren

Dieser Schritt ist vermutlich speziell für diejenigen interessant, die ihren Defender zum Reisemobil umbauen möchten. Aktuell sind noch alle Bleche und Kanten zugänglich. In ein paar Wochen werden hier Dämmung und Holzplatten einziehen und dann wird es schwer, diese Bereiche zu behandeln. Besonders wichtig sind die Stellen am Boden, wo Blech auf Blech liegt und die sogenannten Cappings, die beim Pick Up den oberen Abschluss der Ladefläche bilden. Hier kann schnell Rost entstehen. Ich sprühe die Falze am Übergang zum Radkasten und vom Radkasten zu den oberen Seitenteilen ein.

Außerdem versuche ich etwas Fluid Film in den Bereich links und rechts der Hecktür auf halber Höhe einzubringen. Auch die Hohlräume der Cappings flute ich mit Fluid Film. Die Cappings sind aus Stahlblech gefertigt, alles darunter und darüber ist aus Aluminium. Hier hätten wir wieder eine dieser „Kontaktkorrosionsstellen“. Zu guter letzt knöpfe ich mir noch die Falze der Bordwand im Bereich Radkasten und Bodenblech vor und dann ist die Arbeit auch schon erledigt. Ich lasse das Fluid Film einen Tag lang seine Kriechwirkung entfalten, ehe ich es wieder mit einem Lappen grob entferne. Ich hatte zuerst große Bedenken wegen der Geruchsentwicklung, aber nach einem Tag „kräftig lüften“, ist die „muffelnde Schafsherde“ wieder verschwunden.

Fahrer- und Beifahrertür

An den vorderen Türen muss zuerst wieder die Verkleidung entfernt werden. Die Aufgabe ist an diesen beiden Türen etwas schwieriger als an der Hecktür.

Zuerst habe ich den Haltegriff (1) abgeschraubt. Die Schrauben für den Griff verstecken sich links und rechts hinter einer klappbaren Plastikabdeckung.

Anschließend schiebe ich die Halterung um den Verriegelungsknopf nach oben heraus. Diese Schale läuft hinten in einem Schienensystem. Der Türöffner ist wieder durch eine Schraube in der Mitte gesichert. Diese ist schnell und einfach zu entfernen. Jetzt wird es etwas komplizierter.

Bevor ihr die Fensterkurbel entfernt, solltet ihr die Fenster komplett geschlossen haben. Merkt euch die Richtung, in die eure Fensterkurbel zeigt. Befestigt ist sie durch eine Klammer in einer Kerbe, welche die Kurbel auf einer Welle hält. Um diesen heraushebeln zu können, muss die Verkleidung soweit nach hinten gedrückt werden, dass man mit einem Schraubenzieher an diesen Ring kommt. Da wir zu zweit sind, kann einer mit dem Schraubenzieher die Verkleidung nach hinten drücken während der andere nach der Klammer stochert. Wenn ihr die Aktion alleine durchführt, müsst ihr euch einen zweiten Schraubenzieher unter die Kurbel klemmen, so dass ihr euch einen ausreichenden Arbeitsraum schafft.

Der Rest ist Fingerspitzengefühl und Geduld. Wenn ihr diesen Ring gelöst habt, könnt ihr wieder die Verkleidung abnehmen. Das System ist das gleiche wie an der Hecktür. Lediglich gibt es hier noch zwei Dübel, die direkt von vorne sichtbar sind. Diese müssen mit einem Schraubenzieher herausgehebelt werden. Die andere Vorgehensweise kennt ihr ja bereits.

Beim Abnehmen der Verkleidung ist uns nur ein Dübel abgebrochen, auf der Fahrerseite sogar garkeiner. Als ich die große Plastikschale zur Seite stelle, bin ich etwas überrascht. Ich hatte hinter der Verkleidung eigentlich eine Dampfsperre in Form einer Folie erwartet. Stattdessen finde ich eine Art dünne Dämmmatte. Diese passt allerdings so perfekt, dass ich eine Eigenkonstruktion vom Vorbesitzer ausschließen kann. Scheinbar hat Land Rover beim TD4 eine andere Art von Dampfsperre verbaut.

Zuerst inspiziere ich meine Türen ganz genau. Ich habe im Internet schlimme Bilder von verrosteten Türen gesehen und bin echt erleichtert, dass meine noch richtig gut aussehen. Damit das so bleibt, ziehe ich die Dämmmatte soweit von der Karosserie ab, dass ich mit der Hohlraumsonde in die Öffnungen der Tür komme. Anschließend wieder den Abzug betätigen und die Sonde langsam herausziehen.

Beim Zusammenbauen ist lediglich darauf zu achten, dass ihr die Klammer an der Fensterkurbel schon vor der Montage provisorisch in die Kerbe setzt, sonst wird sie euch am Ende noch hinter die Verkleidung fallen und dann könnt ihr alle eben beschrieben Schritte nochmal wiederholen.

Spritzwand

 Kommen wir zum Sorgenkind meines Defenders, die Spritzwand! Vor einigen Monaten habe ich die Fußraumbleche entrostet und neu lackiert. Wie ich das gemacht habe, kannst du hier nachlesen. Zum ersten Mal schaue ich jetzt wieder hinter die Fußmatten und so ganz habe ich das Rosten nicht aufhalten können. Ein kleines bisschen Rost hat sich wieder durchgekämpft. Deshalb baue ich wieder alle Fußmatten und die Spritwandverkleidung aus und benetze die Fläche großzügig mit Fluid Film. Dieses lass ich wieder 24 Stunden einwirken. Ich hoffe, dass das Fluid Film den Weg zwischen die Falze findet und den Rost dort bearbeitet.

Nachdem das Fluid Film eingezogen ist und ich alles, was überschüssig ist, wieder grob abgewischt habe, stellt sich noch die Frage nach der Wärme- bzw. Schalldämmung im Fußraum des Cockpits. Ich möchte das Armaflex nicht direkt auf die Bleche kleben, um die Spritzwand und die Bodengruppe jederzeit zugänglich zu halten.

Ich entscheide mich für eine Überarbeitung der alten Verkleidungsmatten. Hier war ursprünglich der saugende und gammelige Schaumstoff aufgebracht. Mit einer Japanspachtel* lässt sich der alte Belag von der Rückseite der Matten abkratzen. Anschließend werden die letzten Reste mit einer Bürste entfernt.

Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt und Caro nimmt sich der Aufgabe an. Außer der Frontseite werden alle übrigen Seiten der Matte mit 9mm starkem Armaflex* beklebt.


Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Spritzwandverkleidung passt auch nach der Überarbeitung ohne Probleme an die alte Position.

Zu guter Letzt möchte ich auch das Bodenblech gegen Schall und Kälte isolieren. Für die Schalldämmung bringe ich eine Lage Alubutyl* auf der Bodengruppe auf. Dieses Material muss fest verbunden werden, da es ansonsten die Schwingung nicht aus dem Blech nehmen kann.

Bei der Firma „Defender Nägele“ habe ich zur Wärmedämmung „Fußmatten“ aus Riffelblech** bestellt. Diese beklebe ich auf der Rückseite wieder mit Armaflex* und durch das Eigengewicht des Riffelbleches wird die Isolierung an das Bodenblech gedrückt.

Zwischen Spritzwand und Tür ist ein weiterer Hohlraum, den ihr behandeln könnt. Wenn ihr die Spritzwandverkleidung ausbaut, schraubt ihr in der Regel neben den Türen zwei Alubleche ab. Diese drücken die Matte an das Blech und etwas oberhalb befindet sich auch der Sensor, welcher erkennt, ob die Tür offen oder geschlossen ist. Ich habe einfach eine dünne Sonde auf die Sprühdose gesetzt und die Öffnungen der Schrauben zum Einführen benutzt.

Letztendlich kann der obere Hohlraum der Spritzwand noch von außen bearbeitet werden. Oberhalb der Motorhaube sind zwei Gummistöpsel. Wenn diese entfernt werden, kann mit der Hohlraumsonde nach links und rechts bis zu den Außenspiegeln Fluid Film eingebracht werden.

Ich hoffe, diese Maßnahmen tragen wieder zu einem längeren Leben meines „Sir Henry“ bei. Da die Arbeit leicht an einem ausgedehnten Nachmittag zu schaffen ist, lohnt es sich auf jeden Fall, sich die Zeit dafür zu nehmen.

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3 thoughts on “Rostschutz für die Karosserie

  1. Vielen Dank für die Anleitung zum Rostschutz: Sobald es mehr als drei Tage am Stück nicht regnet, werde ich mich selbst auch ran machen. Bis jetzt hatte ich vieles schon selbst erledigt, neu wäre jedoch in diesem Jahr, die von Ihnen vorgeschlagene Hohlraumkonservierung. Da wir einen Umbau zum Reisemobil planen, sind Ihre Tipps jedoch unersetzlich: So sieht mein Wagen auch von innen noch lange gut aus.

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