Unterboden: Entrosten und Konservieren

Ein Reisemobil auszubauen, verschlingt einiges an Geld. Damit sich die Investition möglichst lange auszahlt, ist es wichtig eine gute Basis für den Ausbau zu schaffen.

Der Defender ist für seine Rostprobleme bekannt. Die tragenden Teile des Fahrzeugrahmens sind massiv konstruiert, trotzdem können sie durchrosten. Der Großteil des Rahmens besteht aus vierseitig geschlossenen Stahlprofilen, welche den Rostschutz erschweren. Der Rahmen rostet von innen nach außen, deshalb ist es nötig eine Hohlraumkonservierung durchzuführen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Entrostung vorzunehmen. Entscheidend ist neben dem finanziellen Budget auch der Zustand des Fahrzeugs.

Bei meiner Recherche bin ich auf drei Verfahren gestoßen, die sich bewährt haben.

1. Sandstrahlen
2. Trockeneisstrahlen
3. Zopf-und Drahtbürste

Auf YouTube findet ihr zu allen Methoden sehr aufschlussreiches Videomaterial.

Mich persönlich hat das „Trockeneis-Strahlverfahren“ schwer beeindruckt. Mein Budget lässt eine Investition in der Größenordnung allerdings nicht zu und deshalb kommt bei mir nur die „Selfmade–Methode“ mit Zopf –und Drahtbürste in Frage. Wenn ihr euch entschieden habt, selbst an eurem Fahrzeug Hand anzulegen, steht ihr vor einem gigantischen Angebot an Produkten und Möglichkeiten und mindestens genauso viele Meinungen. Zwei Produkte bzw. Hersteller haben sich bei mir als Favoriten herauskristallisiert.

Mike Sanders oder Fluid Film

Für meinen Defender habe ich mich für die Fluid Film Produkte entschieden. Ausschlaggebend war am Ende die etwas leichtere Verarbeitung. Der Korrosionsschutz von Mike Sanders muss für die Hohlraumkonservierung stark erhitzt werden. Für die Fluid Film Produkte reicht ein heißes Wasserbad, schütteln oder rühren. Zusätzlich ist es auf längeren Reisen nicht auszuschließen, dass der Korrosionsschutz punktuell nachgebessert werden muss. Da würde ein Produkt, das ich am „Straßenrand“ erhitzen muss, die Arbeit deutlich erschweren.

Nachdem ich die Entscheidung für Fluid Film getroffen habe, fahre ich zu Dirk in die Nähe von Speyer. Dirk betreibt eine „Fluid Film Station“. Neben dem klassischen Entrosten und Konservieren von Fahrzeugen, bietet Dirk auch den „Selbstmachern“ eine ausführliche Beratung und Einschätzung ihres Fahrzeugs an.In meinem Fall hat sich die Investition gelohnt, Dirk hat sich viel Zeit genommen und mich optimal beraten.

Fürs kommende Wochenende bestelle ich die nötigen Produkte und freue mich, dass es dem Rost endlich an den Kragen geht. Mein Kumpel Philipp ist für das Wochenende auch wieder gebucht. Philipps Vater stellt uns freundlicher Weise seine Hebebühne zur Verfügung, ohne diese wäre eine umfassende Sanierung des Unterbodens nicht möglich.

Das richtige Equipment

Bevor wir anfangen können, müssen wir erstmal in den örtlichen Baumarkt. Das richtige Equipment wird die nächsten Tage ausschlaggebend sein. An der Kasse habe ich eine stolze Summe von knapp 100,00 Euro zusammengekauft, ein Kostenpunkt, den ich zuvor nicht auf dem Schirm hatte.

Unterbodenwäsche und Rahmenspülung

 Zuerst führt uns der Weg in die Waschstraße. Der Unterboden muss vom Schmutz der letzten Jahre befreit werden. Ich empfehle diese Reinigung nicht zuhause mit dem Kärcher-Hochdruckreiniger durchzuführen. Am Unterboden sind nicht nur Staub und Dreck, sondern auch diverse Ölrückstände. Professionelle Waschstraßen haben einen Ölabscheider und so gelangt das Öl nicht in den Erdboden. In der Waschstraße angekommen, schnalle ich erst mal den Gürtel enger. Das Gewicht der vielen 1 Euro Münzen, mit denen ich gleich den Hochdruckreiniger füttern werde, folgt in meiner Hosentasche dem Gesetz der Schwerkraft. Zusätzlich haben wir uns mit Draht- und Wurzelbürsten „bewaffnet“. Um uns wenigstens ein bisschen vor dem Dreck zu schützen, schlüpfen wir in Maleranzüge*. Nach der ersten Grobwäsche legen wir uns in die Pfütze unter das Auto und schrubben den Dreck mit der Hand vom Rahmen.

Zum Glück spielt das Wetter mit und wir arbeiten bei strahlendem Sonnenschein. Danach spülen wir den Chassis-Rahmen. Der Rahmen hat mehrere kleine Löcher, an denen der Kärcher angesetzt werden kann. Die zwei größten verstecken sich hinter Gummiabdeckungen unterhalb der Front-Stoßstange (siehe Bild). Das Wasser wird vom Hochdruckreiniger im Rahmen verwirbelt und spült den Dreck und auch losen Rost heraus. Der Rahmen ist sauber, wenn aus den Tiefpunkten des Rahmens nur noch klares Wasser kommt. Anschließend spülen wir nochmal den gesamten Unterboden und die Hecktraverse. Damit das ganze Wasser wieder aus dem Rahmen rausläuft, parken wir den Defender für eine Weile an einem steilen Hang.

vordere Öffnung zur Rahmenspülung

Entrosten

Nach dem Trocknen beginnt das eigentliche Entrosten. Dazu packen wir den Defender auf die Hebebühne. Wir achten gezielt darauf, dass der Defender sicher und stabil steht. Wir wollen die nächsten Tage mit einem guten Gefühl unter dem 2-Tonnen-Koloss verbringen. Zuerst heben wir das Fahrzeug einen halben Meter an, dann entscheidet ein Rütteltest über die Standsicherheit. Zweimal müssen wir die Position korrigieren bis der Defender für die nächsten Tage sicher steht.

Anschließend muss der lose Rost vom Rahmen und allen anderen Stahlteilen gebürstet werden. Allerdings dürfen wir nicht zu viel entfernen, denn der „Roststopper“* arbeitet und haftet besser auf einer leicht angerosteten Oberfläche als auf blankem Stahl. Ich will euch nichts vormachen, die Arbeit ist sehr beschwerlich. Es ist kein Vergnügen stundenlang mit einer Bohrmaschine über dem Kopf zu arbeiten. Erschwerend kommt die fehlende Deckenhöhe der Werkstatt hinzu. Wir können den Defender nur knapp 1,70 Meter vom Boden anheben. Bis tief in die Nacht stehen wir mit den Beinen in der breiten V-Stellung unter dem Fahrzeug, das hilft den Rücken zu entlasten. Philipp arbeitet sich von vorne nach hinten und ich komme ihm von der Hecktraverse aus entgegen. Irgendwann gegen Mitternacht treffen wir uns erschöpft in der Mitte. Das Fahrzeug sieht jetzt noch rostiger aus als zuvor. Vermutlich haben wir jetzt auch einige Roststellen unter alten Lack- bzw. Unterbodenschutzschichten freigelegt. Als wir vor dem Schlafen gehen die Werkstatt kehren, sehen wir, dass wir doch einiges an Rost entfernen konnten.

Während wir die letzten Stunden unter dem Geländewagen verbracht haben, entdeckten wir in vielen Ecken und Nischen des Unterbodens weitere schmutzige Stellen. Zusätzlich hat sich der feine Roststaub am Rahmen niedergeschlagen. Zum Glück haben wir mit dem aufwendigen Abkleben noch nicht begonnen. Um eine zweite Unterbodenwäsche kommen wir nicht herum.

Abkleben

Nachdem wir früh am Morgen die Waschanlage wieder mal für eine Stunde blockiert haben, ist der Defender erneut zurück auf der Hebebühne. Die Räder sind schnell abmontiert. Jetzt kommen wir zur aufwendigsten und wichtigsten Arbeit der gesamten Entrostungs-Aktion. Einige Bauteile am Defender sollen bzw. dürfen nicht mit den Rostschutzprodukten in Kontakt kommen. Neben dem Auspuff und den Bremsen habe ich auch das Getriebe bis zur Kardanwelle und den Hitzeschutz abgeklebt. Besonders beim Auspuff habe ich die Folie* bis in den Motorraum geführt.

Die nächste große Plane wird über den gesamten Defender gespannt und reicht gerade so an allen vier Seiten bis zum Boden. Der Werkstattboden unter dem Fahrzeug sollte auch geschützt werden, da besonders der Unterbodenschutz* eine stark fettige und klebende Flüssigkeit ist. Zum Schluss wird die Karosserie von innen durch Folien in den Radkästen und an den Seitenschwellen geschützt. Diese zeitraubende Arbeit dauert fast den ganzen Tag, obwohl wir dank der Unterstützung von Caro zeitweise sogar zu dritt arbeiten.

Produkte und Anwendung 

Für die Bearbeitung meines Defender hat Dirk mir drei verschiedene Fluid Film Produkte empfohlen.

Hohlraumversieglung = Fluid Film NAS*

Rostbehandlung = Fluid Film AS-R*

Unterbodenschutz = Perma Film (Transparent)

Hohlraumversieglung

 Wir arbeiten uns von innen nach außen. Das bedeutet, wir beginnen mit der Hohlraumkonservierung. Um die letzte Feuchtigkeit aus dem Rahmen zu bekommen, nutzen wir nochmal die Druckluft vom Kompressor. Mögliche Restfeuchte wird vom Fluid Film NAS* verdrängt.

Nach vielen Vorbereitungsstunden geht es jetzt endlich los. Die Druckbecherpistole und Hohlraumsonde* ist am Kompressor angeschlossen. DAS FF-NAS hat die benötigte Temperatur und ist zur Verarbeitung bereit. Die Sonde wird möglichst weit in die Öffnungen am Rahmen eingeführt. Während dem Betätigen des Abzuges muss die Sonde langsam herausgezogen werden. Die Düse am Ende der Hohlraumsonde sprüht in alle Richtungen, so dass alle Bereiche gleichmäßig mit dem Material beschichtet werden. Nach kurzer Zeit beginnt es aus den unteren Öffnungen zu tropfen – ein gutes Zeichen. Wir arbeiten uns von vorne nach hinten durch.

Nach einer Stunde sind wir mit der Arbeit fertig und können es kaum erwarten, die klebrigen Maleranzüge auszuziehen und vor der Werkstatt frische Luft zu atmen. Während es in der Werkstatt riecht, als ob eine Schafherde eingezogen wäre, erwartet uns draußen der köstliche Duft von Nudeln mit Bolognese.

Rostbehandlung am Unterboden

Satt und gestärkt verschwinden wir wieder unter dem Auto. Zuerst wischen wir die Tropfen der Hohlraumversieglung mit einem Lappen ab. Jetzt kommt das Fluid Film AS-R* zum Einsatz. Die Sprühdose kann mit einer dünnen Hohlraumsonde versehen werden. Mit dieser Sonde bearbeiten wir alle Hohlräume, die wir mit unserer Kompressor-Sonde nicht erreicht haben. Hauptsächlich sind das die horizontalen Streben, auf denen die Ladefläche aufliegt und diverse Bauteile im Radkasten. Anschließend sprühen wir alle rostigen Stellen am Unterboden mit dem normalen Sprühaufsatz ein. Kommt das Fluid Film mit rostigen Metallflächen in Kontakt, bildet es kleine Blasen. Die Reaktion ist direkt sichtbar. Nachdem wir zwei weitere Sprühdosen auf dem Rahmen verteilt haben, sind wir fertig. Für heute ist Feierabend und wir sind unglaublich gespannt, was uns morgen unter dem Defender erwartet.

Unterbodenschutz (Perma-Film)

 Am nächsten morgen öffnen wir die Tore der Werkstatt und die muffelnde Schafherde ist nach wie vor da. So langsam gewöhne ich mich an den Geruch. Als wir unter die Plane schlüpfen und den ersten Blick auf den Unterboden werfen, sind wir restlos begeistert. Vom Rost ist fast nichts mehr zu sehen. Die Stahlteile sind deutlich abgedunkelt und glänzen sogar im Morgenlicht. In diesem Moment wird mir klar: Die ganze Schinderei der letzten Tage hat sich definitiv gelohnt. Einen kurzen Moment genießen wir staunend den Blick auf den Unterboden. Dann müssen wir das Fluid Film AS-R wieder ab- bzw. verwischen. Das FF AS-R müssen wir nicht vollständig vom Rahmen entfernen, jedoch könnte eine zu dicke Fettschicht die Haftbarkeit des Unterbodenschutzes beeinträchtigen. Philipps Vater ist mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden und hilft uns beim Abwischen. Die Arbeit ist schnell erledigt und jetzt steht der letzte Feinschliff an.

Das Perma-Film* muss in die Druckbecherpistole gefüllt und dann gleichmäßig auf dem Unterboden verteilt werden. Jetzt wissen wir auch, warum wir den Boden abgeklebt haben. Die Arbeit ist eine riesengroße Sauerei. Das Zeug kommt als feiner Nebel vom Unterboden wieder zurück und trotz Atemschutzmaske verklebt es mir die Wimpern und Barthaare. Der Maleranzug hat zum Glück eine Kapuze, welche die Haare schützt. Die Abdeckung vom Boden klebt an meinen Füßen und das Bewegen wird zum Hürdenlauf. Mehrmals müssen wir das Werkzeug mit Waschbenzin reinigen, da es ansonsten einfach an der Hand kleben bleibt. Zum Glück dauert das Benetzen des Unterbodens nicht so lange. Nach einer guten Stunde komme ich endlich raus an die frische Luft. Erleichtert streife ich mir den Maleranzug vom Körper. Für mich geht es jetzt erst mal unter die verdiente Dusche und am Abend bewundern wir das Ergebnis. Vier Tage harte Arbeit liegen hinter uns. Wir haben unser Bestes gegeben und sind beide mit dem Ergebnis zufrieden. Ich hoffe sehr, dass der Rost so schnell nicht wieder die Oberhand gewinnt.

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Habt ihr ähnliche Aktionen schon hinter euch? Welche Produkte und Werkzeuge habt ihr benutzt?
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2 thoughts on “Unterboden: Entrosten und Konservieren

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag zum Entrosten und Konservieren von Unterboden. Die Idee, den Unterboden mit Sandstrahlen zu entrosten, finde ich ganz toll. Ich habe von meinen Bekannten gehört, dass man mit dieser Methode alle Metalloberflächen ganz blank kriegt.

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