Alles muss raus!

– Feuchtbiotop im Fußraum –

Der Defender wurde vom Vorbesitzer als Arbeitstier genutzt. Dementsprechend präsentiert sich der Innenraum im Fahrzeug-Cockpit. Neben jeder Menge Staub, Dreck und Sand sind besonders die Bleche unter den Fußraummatten problematisch. Die Rückseite der Gummimatten ist mit einer Art Schaumstoff beschichtet. Dieser saugt anfallende Feuchtigkeit auf und gibt sie konstant auf die Bodenbleche ab. Die Konsequenz ist ein Feuchtbiotop, welches dem Rost hervorragende Bedingungen bietet.

Fußmatten und Spritzwandverkleidung

Die Bodenbleche sind aus Aluminium, die Spritzwand und mehrere kleine Bauteile inklusive der Schrauben allerdings nicht. Um das ganze Ausmaß des „Gammels“ zu sehen, müssen zuerst die Fußmatten und die Spritzwandverkleidung entfernt werden. Während die Matten im Fußraum schnell ausgebaut sind, kostet die Verkleidung der Spritzwand deutlich mehr Nerven. Um diese entfernen zu können, muss zunächst der Hebel, – der zum Öffnen der Motorhaube benötigt wird – , abgeschraubt werden. Zusätzlich ist die Verkleidung hinter der Mittelkonsole durchgeführt. Ich habe die Matten an dieser Stelle einfach auseinander geschnitten. Sicherlich nicht die professionellste Lösung, aber es geht schnell.

Eine rostige Überraschung

Nachdem alle Matten entfernt sind, sehen wir was die dauernde Feuchtigkeit hier angerichtet hat. Alle Schrauben der Bodenbleche sind festgerostet. Einige der Schrauben sind mit dem Blech sogar zusammengerostet. Noch viel schlimmer jedoch ist der Blick auf die Spritzwand.
Der Fußraum ist mit Rostblasen übersät, der einzige Trost sind die Bilder im Internet, welche deutlich schlimmere Zustände an diesem Bauteil zeigen. Dass der Rost nach 10 Jahren bereits so stark fortgeschritten ist, überrascht mich als Laie doch ein bisschen. Einkalkuliert habe ich diese Probleme nicht, da kommt noch einiges an Arbeit auf mich zu. Die Spritzwand ist beim Defender neben dem Chassis-Rahmen eines der wichtigsten Bauteile. Ein Austausch dieses Bauteils ist mit extrem hohen Kosten verbunden.

Sitze und Sitzbankverkleidung

Noch ist die Fahrgastzelle nicht leer und wir knöpfen uns die Verkleidung der Sitzbank vor. Um diese abnehmen zu können, müssen zunächst die Sitze entfernt werden. Gehalten werden diese lediglich von 4 Schrauben, die nach dem Herausnehmen der Sitzfläche gut zu erreichen sind. Bei neueren Modellen sind die Sitzflächen noch mit der Sitzheizung verkabelt, auch diese müssen ausgesteckt werden.

Uns fällt der Himmel auf den Kopf

Zu guter letzt geht es auch dem Dachhimmel an den Kragen. Dazu müssen die Sonnenblenden und der Rückspiegel abgeschraubt werden. Anschließend die Plastikdübel mit einer Zange heraus ziehen. Nach ein paar abgerissenen Dübeln lerne ich: Möglichst gerade und kräftig nach unten ziehen ist die effektivste Technik. Bevor der Dachhimmel rausgenommen werden kann, muss noch die Verkabelung der Lampe gelöst werden und dann fällt mir der Himmel sprichwörtlich auf den Kopf. Zu meiner Freude sieht es unter dieser Verkleidung sehr gut aus.

Da steht er nun der Defender „Sir Henry“, ohne Sitze und ohne Verkleidung, sowie Land Rover ihn schuf. Bevor es weiter geht, muss das Fahrzeugcockpit erst mal von Dreck und Schmutz befreit werden. Staubsauger, Wurzelbürste und jede Menge Küchenrolle erledigen dieses Job.

2 Mann gegen 2 Bodenbleche

Nach dem Mittagessen müssen die Bodenbleche raus. Diese Arbeit kostet mich mehrere Stunden und noch mehr Nerven. Der Grund hierfür sind die verrosteten Schrauben. Mein Nachbar „Günter“, der als gelernter Schmied normal Pferde beschlägt, bemerkt meine Bemühungen und greift ebenfalls zum Werkzeug. Eventuell hat er auch mein lautes Fluchen vernommen. Die meisten dieser Schrauben sitzen in orangenen Kunststoffdübeln und  sind deshalb von unten nicht zugänglich. Zuerst versuchen wir die Schrauben mit einem Meisel zu lösen, dabei wird die Lackierung des Bodenblechs in Mitleidenschaft gezogen. Die Alternative ist das Abflexen der Schraubenköpfe, hier besteht die Gefahr, dass der Rest der Schraube nicht mehr aus dem Dübel gelöst werden kann. Beides kostet viel Zeit und Nerven. Nachdem ich meine Finger gleich zweimal mit Pflaster präparieren muss, möchte ich hier nicht verschweigen, dass ich Sir Henry hier mehrfach gedroht habe, dass er in Zukunft wieder als Hausmeister oder im Bergwerk arbeiten kann, wenn er seine Bodenbleche nicht hergibt. Doch am Ende lösen wir gemeinsam Schraube für Schraube.

Der Blick auf den Rahmen ist frei

Die kaputten und rostigen Schrauben sind nicht mehr zu gebrauchen und werden demnächst gegen Edelstahlschrauben ersetzt. Natürlich besteht dann wieder die Gefahr der Kontaktkorrosion aber eine perfekte Lösung wird es vermutlich nicht gegeben.
Die Schrauben an der Plastikverkleidung des Getriebetunnels müssen ebenfalls gelöst werden. Durch Anheben des Plastiks lassen sich die Bodenbleche herausnehmen und jetzt sehe ich zum ersten mal auch den Rahmen des Fahrzeugs von oben. Auch hier hat sich bereits etwas Rost gebildet und auch diesen werde ich im Zuge der Spritzwandsanierung bekämpfen.

Erschöpft und erleichtert

Am Ende habe ich viel mehr ausgebaut als ursprünglich geplant. Bei der Sitzbank habe ich noch lange überlegt, mich aber letztendlich entschieden sie nicht auszubauen. An den Rahmen unter der Sitzbank komme ich auch vom Unterboden einigermaßen dran und die Sitzbank vermittelt einen gesunden und stabilen Eindruck.

Ob ich das alles auch wieder zusammen gebaut bekomme, lest ihr dann in einem der nächsten Artikel. Es bleibt also spannend.

Bei Fragen und Anregungen scheut euch nicht das Kommentarfeld zu benutzen, denn dafür ist es da!

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