Schubladen für die Sitzbank

Bei einem kleinen Campingfahrzeug, wie dem Defender, ist Stauraum sehr wertvoll. In den meisten Reisemobilen befindet sich ein Großteil des Stauraums unter den Sitzbänken. Diese Variante habe ich beim Ausbau meines Renault-Kangoo bereits genutzt und auch der Defender wird auf diese Weise ausgebaut. Beim Reisen mit dem Kangoo-Camper hat mich eine bestimmte Situation immer wieder gestört:

Die Regentropfen klatschen rhythmisch auf das Autodach. Ich verweile mit einem Buch auf den weichen Polstern und warte auf ein Ende des Regengusses. Nach über einer Stunde wird mir klar: Das hört so schnell nicht mehr auf! Und so langsam wird es kühl im Heck des kleinen Campers. Zum Glück hab ich meinen dicken Fleece Pullover dabei. Dieser befindet sich im Klamottenfach in der Sitzbank. Das Problem dabei ist, dass ich auf dieser Bank sitze. Um an den Stauraum zu kommen, muss ich unweigerlich den Deckel, der aber zugleich die Sitzfläche bildet, nach oben klappen. Wer selbst mit einem kleinen Camper reist, dem ist diese Situation vermutlich vertraut. Wie komme ich jetzt an dieses Staufach, ohne mich draußen in den Regen zu stellen?

Beispiel Innenausbau des Renault Kangoo-Camper

Ich habe mir oft eine Schublade gewünscht, die ich einfach unter der Sitzbank herausziehen kann. Dann müsste ich weder aufstehen, noch aussteigen oder mich verrenken, um an meinen Stauraum unter der Sitzfläche zu kommen. Deshalb habe ich bei Defender „Sir Henry“ in der größeren Sitzbank Schubladen eingeplant. Ich habe allerdings noch nie eine komplette Schublade selbst gebaut und deshalb lasse ich mir von Schreiner Robby die verschiedenen Möglichkeiten erklären:  

Der wichtigste Teil einer Schublade ist der Auszug. Hier gibt es in der Regel zwei grobe Varianten: Teilauszug* und Vollauszug*.

In meinem Fall habe ich aufgrund des Fußraums zwischen Sitzbank und Küchenzeile nur begrenzt Platz und deshalb entscheide ich mich für einen Teilauszug. Der zweite wichtige Aspekt ist die Tragkraft der Schienen. Da der Inhalt meiner Schubladen hauptsächlich aus Kleidung bestehen wird und die Kästen nicht so groß sind, reichen 12 kg Traglast aus.

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Im nächsten Schritt müssen wir die Schublade planen und dafür messen wir den Kasten, in den später die Schublade eingesetzt wird. Nachdem wir alle Maße ermittelt haben, ziehen wir rundherum direkt 3mm ab. Dieser umlaufende Spalt garantiert, dass die Klamottenkiste später sauber rein- und rauslaufen wird. 

Mit den ermittelten Maßen geht es auf die Suche nach dem richtigen Auszug. Die Schienen dürfen im eingeschobenen Zustand nicht größer sein als der Korpus, in den die Schublade eingesetzt wird.

Robby erklärt mir, dass sowohl der Auszug als auch einzelne Bauteile eingefräst werden können. Dadurch können wieder einige Zentimeter des kostbaren Stauraums im Camper gewonnen werden. Neben dem positiven Effekt, dass die Schublade handwerklich sauberer gearbeitet sein wird, bringt das Einfräßen der Bauteile auch eine zusätzliche Stabilität.  

Zuerst sägen wir alle benötigten Bauteile zu: Frontplatte, Seitenteile, Boden und Rückwand. Für die Front und die Rückseite verwenden wir 10mm starkes Pappelsperrholz. Für den Boden reichen 6mm Stärke aus, da der Inhalt der Schublade wenig Eigengewicht haben wird. Bei den Seitenteilen greifen wir auf 18mm Materialstärke zurück, da wir hier die Schubladenauszüge einfräßen beziehungsweise einsägen werden.

Im nächsten Schritt wird für den Boden der Schublade am unteren Ende der Front- und Seitenteile über die gesamte Länge eine Kerbe/Ausschnitt vorgenommen.

Hier wird später der Boden eingepasst und von unten verschraubt werden. Durch diese Maßnahme wird der Boden des Schubkastens von der Seite und von vorne nicht sichtbar sein.

Der schwierigste Teil ist in meinen Augen das Einsägen der Auszüge. Dazu muss die genaue Tiefe und Breite der Auszüge ermittelt werden. Diese Angaben stehen im beiliegenden Datenblatt. In meinem Fall beträgt die Tiefe 12mm und die Breite 38mm. Wir messen zur Sicherheit nochmal mit der Schieblehre* nach.

Bevor die gemessene Tiefe ausgeklinkt werden kann, muss unbedingt der Luftraum von 3mm um den Schubkasten herum abgezogen werden (z.B. 12mm – 3mm = 9mm = Tiefe der Fräsung)

Das Aussägen der Vertiefung für die Auszüge überlasse ich den fähigen Händen von Robbie.

Als ich den Auszug in die ausgesägte Spalte lege, bin ich von der Präzision, mit der Robbie gearbeitet hat, begeistert.

Jetzt ist die Arbeit mit der Säge fast geschafft. Allerdings muss die Vertiefung für die Schienen auch aus der Rückwand der Schublade herausgesägt werden. Ansonsten würde die Schublade später hier beim Herausziehen hängen bleiben.

Bevor wir den Korpus zusammenbauen können, bohren wir noch mit dem Forstner-Bohrer* einen Eingriff in die Front der Schublade. Es fällt auf dem Foto fasst nicht auf, aber ich habe versehentlich die falsche Markierung erwischt und dadurch sind die beiden Löcher um circa 5mm in der Höhe versetzt. Ich rege mich immer ziemlich auf, wenn ich leichtsinnige Fehler produziere. Da wir allerdings noch sehr viel Arbeit vor uns haben, bleibt zum Glück keine Zeit für einen Wutausbruch. 

Im nächsten Schritt werden alle Holzstücke zweimal mit dem Multitool Schwingschleifer* geschliffen und anschließend zweimal mit Treppen- und Parkettlack gestrichen beziehungsweise gerollt. 

Mit Ponal-Holzleim* und Spax Schrauben werden die einzelnen Bauteile der Schublade zusammengesetzt. Die Winkel-Klemmen* sind hier wieder sehr nützlich, sie garantieren einen rechten Winkel. 

Jetzt werden Philipp und ich gleich unsere erste Schublade in die Sitzbank einbauen. Um die Schiene auf der richtigen Höhe im Korpus zu befestigen, unterbauen wir den Schubkasten mit Karton in der Stärke von 3mm. Der Karton simuliert damit den Abstand von 3mm, den wir umlaufend um die gesamte Schublade geplant haben. Anschließend werden die Schienen mit dem Akkuschrauber seitlich in der Sitzbank verschraubt. Jetzt werden Philipp und ich gleich unsere erste Schublade in die Sitzbank einbauen. Um die Schiene auf der richtigen Höhe im Korpus zu befestigen, unterbauen wir den Schubkasten mit Karton in der Stärke von 3mm. Der Karton simuliert damit den Abstand von 3mm, den wir umlaufend um die gesamte Schublade geplant haben. Anschließend werden die Schienen mit dem Akkuschrauber seitlich in der Sitzbank verschraubt. Um die Schublade montieren zu können, müssen wir die Auszüge jetzt komplett herausziehen und den Korpus des Schubkastens bis zum Anschlag auf die Auszüge schieben. Jetzt können wir den Punkt markieren und bohren, wo die Gewindeschraube den Auszug mit dem Schubladenkasten verbinden wird.

Wir haben es geschafft und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Zum Schluss bringen wir noch einen verstellbaren Magnet* an, um die Schublade auf der Fahrt geschlossen zu halten. Im Geländeeinsatz kann eine zusätzliche Sicherung mit Spanngurten durch den Eingriff in der Front sowie den Löchern in der Sitzfläche vorgenommen werden.

Die zweite Schublade ist schnell montiert und jetzt können wir die Sitzbank wieder in den Defender einbauen. Ich hoffe, dass ich in Zukunft bei Regen entspannt im Camper sitzen bleiben kann und meine Klamotten ohne Verrenkungen aus dem Stauraum holen kann.

Ich möchte abschließend noch darauf hinweisen, dass es nicht unbedingt nötig ist, die Auszüge und Bauteile in Vertiefungen einzusetzen. Diese Maßnahme dient neben der Optik aber auch ein wenig der Stabilität. Die Schubladen würden allerdings auch ohne diesen zusätzlichen Aufwand funktionieren. Ich freue mich, dass ich wieder etwas Neues durch den Ausbau von „Sir Henry“ dazu gelernt habe.

Jetzt wartet die andere Seitenwand des Defender auf uns. Die Küchenzeile, die auf der linken Seite in Fahrtrichtung entstehen soll, wird nochmal eine große Herausforderung.     

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